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Suura 8 "Die Beute" Aja 42 –
Suura 9 "Die Umkehr" oder "Die Aufkündigung" Aja 93
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41. Und wisset: wenn ihr irgend etwas erbeutet, so gehört ein Fünftel davon Allah und Seinem Gesandten102 und den nahen Verwandten103 und den Waisen und den Bedürftigen und dem Reisenden,104 sofern ihr an Allah den Imaan verinnerlicht habt und an das, was Wir Unserem Diener offenbart haben105 am Tage der Entscheidung, 06 an dem die beiden Heere aufeinander trafen. Und Allah hat Macht über alle Dinge.107 103. Ibn Dscharir sagte: "Das sind die Verwandten des Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, für die Almosen zu empfangen nicht erlaubt ist." (ibn Kasir) Da der Prophet, Allahs Segen und Frieden auf ihm, nicht mehr unter uns ist, ist die Frage nach seinem persönlichen Anteil und dem seiner Fami1ienangehörigen nicht mehr relevant. (Darjabaadi) 104. Die meisten großen islamischen Rechtsgelehrten sind der Ansicht, dass vier Fünftel der Beute entweder unter die Kämpfenden verteilt oder auf andere Weise zum Wohl der Gemeinschaft verwendet werden sollen, während ein Fünftel für die in diesem Aja erwähnten Zwecke reserviert werden muss, einschließlich des "Anteils für Allah und den Propheten" (was sich offensichtlich auch auf eine Regierung bezieht, die entsprechend den Geboten des Quran und den Lehren des Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, regiert), der für Staatsausgaben zu verwenden ist. Der Ausdruck "ibn As-Sabn" (wörtlich: "Sohn der Straße") bezeichnet Menschen, die sich weit von ihrer Heimat entfernt befinden, besonders diejenigen, die nicht über genügend Mittel verfügen, um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. Im weiteren Sinne bezeichnet er Personen, die -aus welchem Grund auch immer -nicht in der Lage sind, in ihre Heimat zurückzukehren, beispielsweise politische Flüchtlinge. Mit den "nahen Verwandten und Waisen" sind die Angehörigen der Gefallenen gemeint. (Asad) 105. Es gibt Anzeichen, die auf den Imaan hinweisen. Allah macht hier die Anerkennung der Imaan der Kämpfer von Badr, obwohl sie einen hohen Rang innehaben, davon abhängig, dass sie Allahs Gesetz bezüglich der Verteilung der Beute annehmen. (Qutb) 106. "Furqaan": Trennung, Unterscheidung zwischen Richtig und Falsch, zwischen den Kräften des Imaans und des Kufrs. Die Schlacht von Badr wird mit diesem Ausdruck bezeichnet. Vergleiche auch Suura 8:29 und entsprechende Fußnoten. (Juusuf 'Allii) Die Schlacht war eine Entscheidung zwischen Recht und Unrecht, wie die Kommentatoren zusammenfassend erklären. Sie hat aber eine noch weitere und tiefreichendere Bedeutung, als dies aussagt. So war sie tatsächlich eine Entscheidung zwischen Wahrheit und Lüge -der Wahrheit, auf der Himmel und Erde und die Anlagen von Dingen und Lebewesen gebaut sind, verkörpert in der alleinigen Herrschaft Allahs und der Unterwerfung alles Erschaffenen Ihm gegenüber. Sie war auch eine Trennung zwischen zwei Epochen der islamischen Bewegung: der Epoche der Duldsamkeit und der Erwartung um der Epoche der Erstarkung, der Bewegung und des Aufbruchs. Ja, sie war sogar eine Trennung zwischen zwei Epochen der Menschheit. Denn von diesem Zeitpunkt an waren die neue Vorstellung, das neue System und die Wertmaßstäbe des Islams nicht mehr der alleinige Besitz der Muslime. Und schließlich war sie eine Trennung zwischen der bisherigen Vorstellung von Sieg und Niederlage und ihren Ursachen um der neuen Erkenntnis, dass der Sieg schließlich eine Sache des Imaans ist und nicht die des Kriegsmaterials und der Ausrüstung. (Qutb) Tag der Entscheidung: Ein anderes Ergebnis dieser Auseinadersetzung hätte ein ganz anderes Schicksal der Menschheit zur Folge gehabt. (Darjabaadi) Hierbei ging es nicht um das Überleben einer bestimmten Personengruppe, sondern um eine Auseinandersetzung zwischen Islam um "Unwissenheit", repräsentiert durch Muslime und Kaafirs. (Mauduudi)
42. Und (gedenket der Zeit) als ihr auf der Seite diesseits des Tales wart108 und sie jenseits waren,109 und die Karawane sich unterhalb von euch befand.110 Und wenn ihr euch miteinander Verabredet hättet, so hättet ihr euch zu der festgesetzten Zeit verfehlt.111 Doch (es kam zu dem Treffen) damit Allah eine bereits beschlossene Sache vollende,112 denn wer dabei umkam, sollte auf Grund klarer Beweise umkommen,113 und wer dabei am Leben blieb, sollte auf Grund klarer Beweise leben.114 Und Allah ist wahrlich hörend, wissend.115 107. An diesem Tag wurde ein Beispiel von Allahs absoluter Allmacht gegeben. Denn durch nichts anderes könnte dieses außergewöhnliche Ereignis erklärt werden. (Qutb) Allahs Macht wird in den folgenden drei Versen näher geschildert, wo die Rede davon ist, wie die Muslime einen vollkommenen Sieg über die heidnischen Quraisch erlangten. (Juusuf 'Allii) 108. Badr liegt in einer Ebene, die im Norden und Osten von steilen Gebirgszügen, im Süden von Felsengestein und im Westen von beweglichen Sanddünen begrenzt ist. Im östlichen Gebirge entspringt ein Bach. Der Prophet, Allahs Segen und Frieden auf ihm, und seine Kämpfer befanden sich an dem der Quelle des Median zunächst gelegenen Abhang. (Darjabaadi) 109. Die Armee Mekkas stand am entgegengesetzten Hang. (Darjabaadi) 110. Die kleine Truppe der Muslime stand bei Badr der weit größeren mekkanischen Armee gegenüber, während die Karawane sich auf weit tiefer gelegenem Grund in Küstennähe, etwa fünf Kilometer von Badr befand. (Juusuf 'Allii) 111. Die Verwirrung war vollständig. Die Karawane war Richtung Mekka unterwegs, und keiner ihrer Begleiter rechnete damit, dort jemals anzukommen. Die Armee der Quraisch versuchte, die Karawane unterwegs abzufangen um zu unterstützen, um dann die Muslime zu vernichten. Die Muslime hatten beschlossen, die Karawane in Frieden zu lassen und sich stattdessen einer um ein Vielfaches stärkeren Armee zu stellen, obwohl sie mit deren tatsächlicher Stärke nicht gerechnet hatten. Trotz alledem trafen genau diejenigen Parteien zusammen, die notwendig waren, um eine solche Entscheidung herbeizuführen. Hätten sie dieses Zusammentreffen vereinbart, es hätte nicht präziser stattfinden können. (Juusuf 'Allii) 112. Wörtlich: "eine Sache, die (bereits) getan war", das heißt, was unausweichlich war und deswegen so gut wie bereits geschehen. In Übereinstimmung mit allen Kommentatoren übersetze ich diesen elliptischen Satz: "damit Gott eine Sache ausführte, (von der Er beschlossen hatte,) dass sie geschehen sollte." (Asad) 113. Die wörtliche Bedeutung von "Halak" ist Tod, Verderben. Es könnte aber auch Kufr damit gemeint sein. Ebenso bedeutet das Wort "Haja" wörtlich "Leben", indirekt aber auch "Imaan". In diesem Zusammenhang scheint die zweite Bedeutung der beiden Wörter die passender zu sein. (Qutb) Einige wenige Märtyrer auf der Seite der Muslime waren sich dessen bewusst, dass ihnen der Sieg gehörte, und die Überlebenden konnten sich freuen. Auf der Seite der Götzendiener wussten sowohl die Überlebenden als auch die Gefallenen, wie es um sie stand. (Juusuf 'Allii) 114. Einige der bekannten Kommentatoren verstehen diesen Satz metaphorisch, wobei" Vernichtung" oder" Tod" mit der Ablehnung der Wahrheit (Kufr) und "Leben" mit Imaan gleichgesetzt wird. In diesem Falle müsste der Satz übersetzt werden: "...damit der Kufr der Kaafirs und der Imaan der Muslime offenkundig würde," oder: "...lass denjenigen, der die Wahrheit ablehnt, sie auch nach diesem klaren Ausdruck (von Allahs Willen) weiter ablehnen, und lass denjenigen, der Imaan erlangt hat, weiter den Imaan verinnerlichen." Meiner Ansicht nach ist es jedoch vorzuziehen, "Tod" und "Leben" hier in ihrem wörtlichen Sinne zu verstehen, nämlich auf Tod und Überleben der Kriegsteilnehmer bezogen, sowohl Muslime als auch Kaafirs: die Muslime, die in dieser Schlacht fielen, waren sich bewusst, Märtyrer für Allahs Sache zu sein, und die Überlebenden konnten in ihrem Sieg eindeutig Allahs Wirken erkennen; während die Toten unter den Kaafirs ihr Leben eindeutig für nichts aufs Spiel gesetzt hatten und die Überlebenden ihre Niederlage eingestehen mussten, und zwar gegenüber einer Macht, die weit stärker als die Kampfkraft der Muslime war. (Asad) 115. Allah bleibt nichts verborgen, was die Partei der Wahrheit oder die des Truges äußert, auch nichts von dem, was sie hinter diesen Äußerungen innerlich zu verbergen versuchen. (Qutb) Da Allah alles hört, sieht und weiß, regiert Er Sein Universum in Weisheit und Gerechtigkeit und wird letztendlich nur das Gute und Richtige bestehen lassen. (Mauduudi)
43. Damals ließ Allah ihre Anzahl dir im Traum gering erscheinen.116 Und wenn Er sie dir zahlreich hätte erscheinen lassen, so hättet ihr gewiss den Mut verloren, wäret in der Sache uneins geworden.117 Doch Allah errettete (euch). Wahrlich, Er kennt die Geheimnisse der Herzen.118 116. Wörtlich: "in deinem Traum". Dies bezieht sich offensichtlich auf einen Traum, den der Prophet, Allahs Segen und Frieden auf ihm, unmittelbar vor der Schlacht von Badr hatte. Wir haben keine authentische Überlieferung diesbezüglich, aber der Mudschahid soll gesagt haben: "Allah hatte dem Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, im Traum seine Feinde in geringer Zahl gezeigt. Er berichtete dies seinen Gefährten, die daraufhin sehr ermutigt waren." (Asad) 117. Das heißt, ihr hättet euch sicherlich gestritten, ob eine Auseinandersetzung ratsam und sinnvoll oder der Rückzug angebracht wäre. (Asad) 118. Allah kannte die innersten Regungen der muslimischen Schar, und dass sie zu schwach waren, um standhaft zu bleiben in solch einer Situation. Deshalb war Er ihnen gnädig und zeigte dem Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, die Götzendiener als zahlenmäßig gering. Doch obwohl weit zahlreicher als sie dem Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, erschienen waren, waren sie unzulänglich in Effektivität und Kampfkraft. In ihren Herzen war kein die Klugheit anspornender Imaan und keine nützliche Täuschung, wie Allah sie den Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, hatte sehen lassen ,um die Herzen der Muslime mit Zuversicht zu erfüllen. (Qutb)
44. Und Er ließ sie damals, als ihr aufeinander traft, in euren Augen als wenige erscheinen und ließ euch in ihren Augen als wenige erscheinen,119damit Allah eine bereits beschlossene Sache vollende.120 Und zu Allah wird alles zur Entscheidung) zurückgeführt.121 119. Obgleich die Muslime wussten, dass sie einer Übermacht gegenüberstanden, erkannten sie nicht deren volles Ausmaß. Die Leute von Mekka demgegenüber triumphierten schon von vornerein und verachteten die kleine Schar, die sich ihnen entgegenstellte. Selbst wenn sie die muslimischen Truppen für doppelt so stark hielten (vergleiche Sure 3: 13), so war angesichts der bescheidenen Ausrüstung und Bewaffnung auch diese Zahl noch verächtlich. Diese beiden psychologischen Irrtümer trugen dazu bei, die Entscheidung herbeizuführen, ob die Kaafirs in Zukunft ihre arrogante Ungerechtigkeit fortsetzen sollten, oder ob Allahs Islam den Menschen Freiheit und Ehre bringen sollte. (Juusuf 'Allii) 120. Vergleiche oben Aja 42, Fußnote 116. Da im Augenblick der tatsächlichen Konfrontation die Muslime keinen Zweifel mehr bezüglich der Stärke ihrer Gegner haben konnten, kann der Satz: "Er ließ euch sie mit euren Augen als gering an er Zahl sehen" offensichtlich nur im übertragenen Sinne verstanden werden: zu dieser zeit waren die Anhänger des Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, so voller Mut, dass ihnen der Gegner unbedeutend erschien. Die Quraisch hingegen waren sich ihrer eigenen Stärke so bewusst, dass die Muslime Ihnen unbedeutend erschienen -ein Irrtum, der ihre Niederlage verursachte. (Asad) 121. Zur Entscheidung und letztendlichen Verfügung. (Darjabaadi)
Abschnitt 6 45. O ihr Mu’mins! Wenn ihr auf einen Feind trefft, dann seid standfest122 und gedenket Allahs oft,123 auf dass ihr erfolgreich sein möget. 122. Das erste Gebot an die muslimische Schar ist, Standhaftigkeit bei der Begegnung mit dem Feind zu zeigen, denn Standhaftigkeit ist der Anfang vom Sieg. Sie stellt eine Verbindung zur unbesiegbare; Macht Allahs dar und die Zuversicht, dass Allah Seinen Freunden den Sieg verleiht. (Qutb) 123. Erinnerung an Allah stärkt die Herzen der Mu’mins. (Darjabaadi) Erinnerung an Allah beim Zusammentreffen mit dem Gegner ist eine ständige Lenkung für den Mu’min und eine unaufhörliche Lehre im Herzen der muslimischen Schar. Einige Beispiele dieser ständigen Erinnerung, aus der Geschichte der Gefolge, werden an einigen Stellen erwähnt, beispielsweise Sure 7:126 und 2:250. (Qutb)
46. Und gehorcht Allah und Seinem Gesandten124 und seid nicht uneins,125 damit ihr nicht scheitert126 und euer Kampfgeist euch nicht verlässt.127 Und seid geduldig,128 denn wahrlich, Allah ist mit den Geduldigen.129 124. Gehorsam gegenüber Allah und Seinem Gesandten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, hat den Zweck, dass die Muslime demütig und ohne Geltungsdrang in den Kampf gehen. So werden die Ursachen von Streitigkeiten abgeschafft. Diese entstehen erst durch die Vielzahl von Führungen und Anweisungen. (Qutb) 125. Streit entsteht vor allen Dingen dann, wenn die Beteiligten sich an ihren persönlichen Neigungen orientieren. Orientierung an der Wahrheit lässt alle oberflächlichen Unterschiede verschwinden. Dies geschieht durch Gehorsam gegenüber Allah und Seinem Gesandten, Allahs Segen und Frieden auf ihm. (Qutb) 126. Damit ihr nicht demoralisiert werdet. (Darjabaadi) 127. wörtlich: euer Geist entschwindet. (Anm. d. Übers.) “Rich“ bedeutet wörtlich “Wind“: hier ist dieses Wort im übertragenen Sinne gebraucht und bedeutet "Geist" oder "moralische Stärke". (Asad) Interne Streiterei kann sich besonders in Kriegszeiten fatal auswirken. Sie führt zu Mutlosigkeit und Schwäche. (Darjabaadi) 128. Ertragt geduldig und guten Mutes alle Schwierigkeiten des Kampfes. Noch mehr als Mut und Schlagkraft zählen Beständigkeit und Ausdauer zu den Tugenden eines Kämpfers. (Darjabaadi) Das arabische Wort “Sabr“, das oft mit "Geduld" übersetzt wird, hat eine weit umfassendere Bedeutung: Haltet eure Gefühle und Regungen unter Kontrolle; vermeidet Voreiligkeit, Verwirrung, Verzweiflung und Gier; bewahrt die Ruhe und trefft wohlüberlegte Entscheidungen; bleibt fest und standhaft angesichts der Gefahren und Schwierigkeiten; lasst euch nicht zu falschen Maßnahmen provozieren; seid nicht ungeduldig, euer Ziel zu erreichen; und lasst euch nicht von irgendeiner irdischen Versuchung ablenken. (Mauduudi) 129. Seine Anwesenheit ist eindeutig der Schlüssel zum Erfolg. Einsatz für Allahs Sache kann einen Menschen mehr motivieren, sein Bestes zu leisten, als Disziplin, Pflichtgefühl und Vaterlandsliebe. (Darjabaadi) Dieser Aja gibt eine schöne Beschreibung der muslimischen Tugenden, die zum Erfolg führen und deren Fehlen Demütigungen und Fehlschläge einbringen. (Juusuf 'Allii)
47. Und seid nicht wie jene, die ihre Häuser voll Überheblichkeit verließen, um den Menschen ihre Überlegenheit zu zeigen,130 und um vom Pfad Allahs abzuhalten.131 Und Allahs Wissen umfasst alles, was sie tun.132 130. Obgleich die Karawane bereits in Sicherheit war, bestand Abuu Dschachl, der Führer der Armee Mekkas, darauf, nach Badr zu ziehen und vor den Augen der Muslime seine Überlegenheit zu feiern. (Darjabaadi) Diese Worte sollen die Muslime aller Zeiten warnen, niemals zu siegessicher einem Kampf entgegenzugehen und niemals um leeren Ruhm und sinnlose Ziele zu kämpfen. (Asad) Eine treffende Beschreibung der Armee Mekkas, als sie in ihr Unglück lief. (Juusuf 'Allii) 131. Dieses schlechte Beispiel wird den Muslimen vorgehalten, damit sie solches Verhalten vermeiden, denn Allah verlangt von ihnen, dass sie selbst rechtschaffen und ihre Zielsetzung gut und edel sind. Dies gilt nicht allein für die damalige Zeit, sondern für heute und auch für die Zukunft, denn die moralische Verfassung der Truppen moderner "zivilisierter" Nationen ist genau wie die der Leute von Mekka damals. Prostitution, sinnlose Freizeitaktivitäten und Alkohol sind ihre fast unvermeidlichen Begleiterscheinungen, sogar in aller Öffentlichkeit. Soldaten und Offiziere sind regelrecht eine Verkörperung von Arroganz und Eitelkeit, und die Politiker prahlen um die Wette militärisch die Stärksten zu sein. Äußerst bösartig sind auch ihre Kriegsziele. Während die Politiker feierlich verkünden, dass sie nichts als das Wohl der Menschheit im Auge haben, verfolgen sie in Wirklichkeit alle anderen Ziele als dieses. Sie führen Kriege, um sich der Rohstoffe und Energiequellen in der Welt zu bemächtigen, die Allah doch für alle Menschen zur Verfügung gestellt hat, und diese für ihre eigenen Nation zu monopolisieren und alle anderen Völker in Abhängigkeit zu halten. Deswegen warnt der Qur’an davor, solchen bösen Beispielen zu folgen. (Mauduudi)
48. Und (gedenket der Zeit) als Scheytan ihnen ihr Tun anpries133 und sprach:134 "Heute kann euch kein Mensch überwinden und ich stehe euch wahrlich zur Seite."135 Doch als die beiden Heere in Sichtweite kamen, machte er kehrt und sagte: "Wahrlich, ich sehe, was ihr nicht sehen könnt.136 Wahrlich, ich fürchte Allah.137 Und Allah ist streng im Strafen. 132. Nichts entgeht Seiner Wahrnehmung, und auch mit aller ihrer Stärke können sie nichts gegen Ihn ausrichten, denn Er hat sowohl sie als auch ihre Handlungen in Seiner Gewalt. (Qutb) 133. Einem Bericht von ibn 'Abbas zufolge erschien Iblis am Tag von Badr mit einer Truppe von Teufeln in der Gestalt von ibn Malik und sagte zu den Götzendienern: "Kein Mensch wird euch heute besiegen können, denn ich bin euer Beschützer." Als die Leute sich aufstellten, nahm der Prophet, Allahs Segen und Frieden auf ihm, ein Handvoll Staub und bewarf die Gesichter der Götzendiener damit, so dass sie entfliehen mussten. Und Dschubair ging auf Iblis los, doch dieser nahm Reißaus und mit ihm sein Gefolge. (Qutb) 134. "Sprechen" bedeutet in diesem Fall seine Suggestionen von falscher Hoffnung, oder aber auch, dass er ihnen in Menschen gestalt erschien und mit ihnen sprach. (Darjabaadi) 135. Ihr seid stark, und euer Heer ist unbesiegbar. (Darjabaadi) Wörtlich: "Euer Nachbar" -ein Ausdruck, der von dem alten arabischen Grundsatz herstammt, dass ein Mensch durch seine Ehre verpflichtet ist, seinem Nachbarn zu helfen und ihn zu schützen. (Asad) 136. Nämlich das Heer der Engel. (Darjabaadi) 137. Es ist eine typische Verhaltensweise von Führern einer schlechten Sache, sich von ihren Mitläufern loszusagen, wenn ihre Sache verloren ist, und sie im Stich zu lassen. Sie sehen die Folgen deutlicher als ihre Anhänger. Sie sind nicht schwachsinnig: sie kennen die Folgen von Allahs Zorn. Scheytans "Furcht" vor Allah ist mit Hass verbundene Angst -genau das Gegenteil des Gefühls, das als Taqwa bezeichnet wird, nämlich der Wunsch, nichts gegen Allahs Willen zu tun, der auf Vertrauen Allahs und Liebe zu Allah begründet ist. (Juusuf 'Allii) Vergleiche auch Suura 59:16. (Asad)
Abschnitt 7 49. Damals sagten die Heuchler und diejenigen, deren Herzen krank sind:138 "Diese sind von ihrem Diin geblendet worden."139 Doch wenn jemand sein Vertrauen auf Allah setzt, so ist Allah wahrlich allmächtig, weise.140 138. Vergleiche Sure 2:10. (Juusuf 'Allii) Die Heuchler und Wankelmütigen erkennen nicht die wahre Ursache von Sieg und Niederlage, denn sie beurteilen die Vorgänge lediglich nach ihrem äußeren Anschein und können nicht die Kraft nachfühlen, die in einem Imaan wohnt und auch nicht die Zuversicht und das Vertrauen. (Qutb) 139. "Ihr Imaan hat sie zu der Annahme verleitet, trotz ihrer geringen Anzahl und unzulänglicher Bewaffnung der mächtigen Armee Mekkas Widerstand leisten zu können." Der Begriff Diin, steht hier offensichtlich für die innere Haltung eines Menschen seines Imaans gegenüber, mit anderen Worten, für den Imaan im Gegensatz zu Wankelmütigkeit. (Asad) Dies war die Ansicht der Heuchler von Medina: "Diese Leute gehen durch übertriebene Begeisterung für ihren Diin so weit, direkt dem Tod in die Arme zu marschieren." (Mauduudi) 140. Vertrauen auf Allah bringt seinen eigenen Lohn: unsere Augen werden geöffnet, und wir erkennen, wie groß, gut und weise der Herr der Welten ist. Die anderen können ruhig spotten. Aber Allahs Segen erhält uns zuversichtlich und unsere Herzen zufrieden. (Juusuf 'Allii)
50. Wenn du nur sehen könntest, wie die Engel (die Seelen) der Kaafirs hinwegnehmen.141 Sie schlagen in ihre Gesichter und auf ihre Rücken!142 "Kostet die Strafe des Feuers, 141. Im Gegensatz zu den Sticheleien gegenüber denjenigen, die auf Allah vertrauen, steht die furchtbare Strafe im zukünftigen Leben für diejenigen, die den Islam verspotten. (Juusuf 'Allii) 142. Oder: "... wenn die Engel im Tode diejenigen hinweg nahmen, die die Wahrheit ablehnten. Sie schlagen..." und so weiter, je nachdem, ob man jatawaffa auf die Engel bezieht ("sie versammeln sie im Tode") oder auf Allah ("Er lässt sie sterben"). Nach Rasis Ansicht ist das "Schlagen" eine Allegorie ihrer Leiden im zukünftigen Leben infolge ihrer ablehrenden Haltung gegenüber der Wahrheit im Diesseits. Die meisten Kommentatoren nehmen an, dass sich dieser Abschnitt besonders auf die kaafir Quraisch bezieht, die in der Schlacht von Badr umkamen; zweifellos bezieht er sich auf diese, aber meiner Ansicht nach besteht kein Grund, die Bedeutung auf dieses spezielle historische Ereignis zu beschränken, besonders in Anbetracht der folgenden Absitze bis einschließlich Aja 55, die sich offensichtlich auf alle beziehen, die "eine Neigung haben, die Wahrheit abzulehnen." (Asad)
51. Dies wegen dessen, was eure Hände vorausgeschickt haben.143 Und Allah ist niemals ungerecht gegenüber (Seinen) Dienern,144 143. Hier wild betont, dass die Strafe eine Folge ihrer eigenen Handlungsweise ist, denn Allah ist niemals ungerecht gegenüber Seinen Dienern. (Juusuf 'Allii) 144. Dies betont die Gerechtigkeit Allahs in der islamischen Vorstellung gegenüber den Vorstellungen von willkürlichen Gottheiten in polytheistischen Religionen und auch gegenüber der Vorstellung von einem "eifersüchtigen" Gott im Alten Testament, beispielsweise Exodus 20:5: "... Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Missetat der Väter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen." (Darjabaadi)
52. (Sie taten das Gleiche) wie das Volk Pharaos und die, die vor ihnen waren.145 Sie leugneten die Zeichen Allahs. So bestrafte Allah sie für ihre Sünden. Wahrlich, Allah ist von der Macht, streng im Strafen. 145. Allah behandelt die Menschen nicht willkürlich, sondern nach Gesetzmäßigkeiten (Sunnach Allah), die Er festgelegt hat. Was den Götzendienern in der Schlacht von Badr widerfuhr, entspricht genau dem, was den Götzendienern zu allen Zeiten widerfährt, hier illustriert mit dem Beispiel von Pharaos Volk, das Allahs Botschaft ablehnte und die Folgen seines Verhaltens zu spüren bekam. (Qutb)
53. Dies, weil Allah niemals die Gnade ändern würde, die Er einem Volk zuteil werden ließ,146 bis sie sich selbst verändern,147 und weil Allah Allhörend, Allwissend ist. 146. Allah spendet Seine Gnade reichlich, zieht sie aber nie willkürlich zurück. Bevor er die Situation der Leute und ihren Zustand ändert, ist bereits in ihnen selbst eine Haltung der Rebellion und Willkür entstanden, die die Strafe unweigerlich nach sich zieht. (Juusuf ’Allii) Allah straft niemanden ohne Schuld. (Darjabaadi) Vergleiche auch Suura 13: 11 und entsprechende Fußnoten. (Asad) 147. Indem sie das, was in ihnen an Gaben Allahs angelegt ist, wie beispielsweise ihre Denkfähigkeit und Vernunft, missbrauchen. (Darjabaadi) Allah entzieht Seine Gnade erst dann einem Volk, wenn dieses sich durch sein Verhalten als unwürdig erwiesen hat. (Mauduudi) Dies ist eine islamische Grundvorstellung von der Wirklichkeit des Menschen, von wo aus sich die Gesetzmäßigkeiten dieses Daseins nach Allahs Maßstab erklären. (Qutb)
54. (Mit ihnen ist es) wie mit dem Volk Pharaos und denen, die vor ihnen waren, als sie die Zeichen Allahs leugneten. Dann gaben Wir sie wegen ihrer Schuld der Vernichtung preis,148 und Wir ließen das Volk Pharao ertrinken, und alle jene waren Frevler. 148. Diese Worte aus der Rede der Engel in Aja 52 werden hier zitiert, um den folgenden Kommentar anzuschließen. Beachte, dass in Aja 52 die Rede von Leuten ist, die Allahs Zeichen ablehnten und dafür bestraft wurden; hier geht es um Leute,' die die Zeichen für falsch erklären und dafür vernichtet werden: einer Steigerung der Schuld folgt eine Steigerung der Strafe. (Juusuf ’Allii)
55. Wahrlich, die schlimmsten unter den Tieren149 sind vor Allah diejenigen, die(die Wahrheit) leugnen150 und deshalb werden sie niemals den Imaan verinnerlichen.151 149. auch: die undankbar oder kaafir sind. (Anm. d. Übers.) In Aja 22 dieser Suura werden uns "die schlimmsten Tiere in Allahs Sicht" vor Augen geführt, die von ihren Fähigkeiten zu hören, zu sprechen und zu verstehen keinen Gebrauch im Dienste Allahs machen, sondern sie im Gegenteil dazu missbrauchen, um Allah zu lästern. Dieselben niedrigen Kreaturen werden hier in einem anderen Licht gezeigt: sie sind sowohl Allah als auch Menschen gegenüber treulos. (Juusuf 'Allii) Der Ausdruck "Ad-Dawaab" الدَّوَاب bedeutet zwar "alle Lebewesen, die sich auf der Erde vorwärts bewegen", doch wenn damit die Menschen gemeint sind, werden sie dadurch implizit mit Tieren auf eine Stufe gestellt. So werden solche Menschen als Tiere bezeichnet, deren Ablehnung der Zeichen Allahs so stark ist, dass sie niemals mu’min werden können. (Qutb) 150. Vergleiche Suura 8:22. Hier hat die Partikel “fa“ am Anfang des zweiten Satzteils die Bedeutung "und deshalb" ("und deshalb verinnerlichen sie nicht den Imaan"), woraus hervorgeht, dass ihr Mangel an Imaan an geistige Wahrheiten eine Folge dessen ist, dass sie "dazu neigen, die Wahrheit abzulehnen". Positiv ausgedrückt besagt dies, dass Imaan an ethische Werte von der Bereitschaft abhängt, dieses von ihren positiven Möglichkeiten her zu betrachten und sich die Wahrheit all dessen einzugestehen, was mit anderen empirisch oder intuitiv erfassten Wahrheiten nach bestem Wissen um Gewissen übereinstimmt. (Asad) Hier geht es um diejenigen, die den Islam ablehnen, bis der Kufr in ihnen solche Formen annimmt, dass sie nicht mehr den Imaan verinnerlichen können. Sie sind diejenigen, die grundsätzlich ihre Versprechungen und Vereinbarungen nicht einhalten und Allah nicht fürchten. (Qutb) 151. Unmittelbarer Anlass waren wiederholte Vertragsverletzungen der Banu Quraisa gegenüber den Muslimen. Aber die Lehre daraus ist allgemeingültig und ist in den beiden folgenden Ajas aufgeführt. Verrat in einer Kriegssituation ist ein doppeltes Verbrechen, weil es so viele Menschenleben in Gefahr bringt. Solcher Verrat soll auf eine Weise bestraft werden, dass keine Wiederholungsmöglichkeit besteht. Nicht nur die eigentlichen Verräter, sondern auch ihre Anhänger sollen außerstande gesetzt werden, neuen Verrat zu üben. Auch der gebrochene Vertrag soll außer Kraft gesetzt werden, so dass sich die unschuldige Partei zumindest auf gleicher Basis zur Wehr setzen kann. Aus der physischen Kriegssituation kann dieselbe Lehre auf die geistige Auseinandersetzung übertragen werden. Gegenseitige Verständigung und Einvernehmen ist mit solchen Menschen möglich, die bestimmte Grundsätze respektieren, nicht mit solchen, die keinerlei Prinzipien haben und nur auf Übervorteilung und Bosheit aus sind. (Juusuf 'Allii)
56. Jene, mit denen du ein Bündnis geschlossen hast152 (und) die dann jedes mal ihr Bündnis brechen,153 und Allah (dabei) nicht fürchten. 152. Brechen oder lösen. (Anm. d. Übers.) Jedes mal, wenn sie eine passende Gelegenheit dazu finden. (Darjabaadi) 153. Dies bezieht sich auf Abkommen zwischen der muslimischen Gemeinschaft und nichtmuslimischen politischen Gruppierungen. Obwohl dieser Abschnitt in erster Linie an den Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, gerichtet ist, bezieht sich das "Du" hier auf jeden, der sich am Qur’an orientiert, und somit auf die muslimische Gemeinschaft in jedem Zeitalter. Mit diesem Vers kommt das Thema auf die kriegerischen Auseinandersetzungen mit Kaafirs zurück, die das Hauptthema dieser Suura bilden. Die Bezugnahme auf die "Vertragsbrüchigkeit" der Kaafirs schließt zweierlei ein: erstens die, dass Vertragsabschlüsse (das heißt friedliche Koexistenz) mit Kaafirs nicht nur erlaubt, sondern in der Tat wünschenswert sind (vergleiche Aja 61), und zweitens die, dass Muslime nur dann Krieg führen dürfen, wenn sich eine Gegenpartei eindeutig feindselig verhält. (Asad)
57. Und wenn du im Krieg auf sie stößt, dann vertreibe sie,154 damit jene, die ihrem Beispiel folgen wollen, sich ermahnen lassen mögen. 154. Das heißt, bekämpfe sie und bestrafe sie exemplarisch. (Asad) Wer sich einbildet, dieser Islam habe sich auch angesichts gröbster Ungerechtigkeiten mit Mahnen und Predigen zu begnügen, der kennt ihn nicht! (Qutb)
58. Und wenn du von (einem Volk) Verrat befürchtest,155 dann verwirf in gleicher Weise (das Bündnis) mit ihnen.156 Wahrlich, Allah liebt nicht die Verräter.157 155. Dieser "Grund, ihren Verrat zu fürchten", darf natürlich nicht auf bloßen Verdächtigungen und Vermutungen beruhen, sondern er muss klar und objektiv bewiesen sein. (Asad) 156. Der Verantwortliche des muslimischen Staates muss den Gegner davon in Kenntnis setzen, dass durch den Vertragsbruch der Vertrag nicht mehr als bindend angesehen werden kann. Kampfhandlungen ohne. solche vorherige Information sind nicht erlaubt. (Darjabaadi) Es ist nicht erlaubt, die Gültigkeit eines Vertrages einseitig zu beenden, selbst wenn die Muslime das Gefühl haben, die andere Partei erfülle ihn nicht ordentlich, oder befürchten, die andere Partei werde bei nächster Gelegenheit vertragsbrüchig. Die Muslime sind verpflichtet, die andere Partei im Falle von Vertragsbl1lch klar in Kenntnis zu setzen, bevor irgendwelche anderen Schritte eingeleitet werden, so dass keine Missverständnisse entstanden. Auf diesem Aja hat der Prophet, Allahs Segen und Frieden auf ihm, seine Außenpolitik begründet. Jeder, der eine Vereinbarung mit einer anderen Partei trifft, ist bis zum Ablauf dieser Vereinbarung daran gebunden, es sei denn, die andere Partei würde vertragsbrüchig. Dann muss diese Angelegenheit offen besprochen werden, so dass die beiden Beteiligten gleiche Voraussetzungen haben. Der Prophet, Allahs Segen und Frieden auf ihm, ermahnte die Muslime, auch an denen nicht treulos zu handeln, die treulos an den Muslimen handeln. Aus diesem Grunde protestierte 'Amr 'Anbasach, ein Gefährte des Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, energisch gegen das Vorgehen von Mu'awija, als dieser seine Truppen an der Grenze des oströmischen Reiches zusammenzog, um gleich nach Ablauf des Vertrages in dessen Gebiet einzufallen. Auf die heutige Zeit bezogen gilt dies auch für Angriffe ohne vorherige formale Kriegserklärung, wie es beispielsweise im 2, Weltkrieg mehrfach geschah. Wenn man dies mit einem Vorwand entschuldigen kann, dann kann man auch jede andere kriminelle Handlung mit einem Vorwand entschuldigen! (Mauduudi) 157. Der Islam zielt darauf ab, dass sich die Menschheit zum Guten entwickelt und sich tugendhaft verhält. Deswegen erlaubt er keinen Verrat, um den Sieg zu erlangen, während er für die höchsten und edelsten Ziele kämpft. (Qutb)
Abschnitt 8 59. Und die Kaafirs sollen (ja) nicht meinen, dass sie uns entkommen sind.158 Sie werden gewiss (Unserer Strafe) nicht entfliehen können. 158. Sie können Allahs Plan nicht unterlaufen. (Darjabaadi)
60. Und haltet für sie das beste bereit, was ihr an Kriegsmaterial159 und berittenen Truppen gegen sie aufbieten könnt,160 um damit die Feinde Allahs und eure Feinde161 abzuschrecken und andere außer diesen, von deren Feindschaften ihr keine Kenntnis besitzt. Doch Allah kennt sie wohl.162 Und was immer ihr für die Sache Allahs spendet,163 das soll euch in vollem Maße zurückerstattet werden 164 und es soll euch kein Unrecht geschehen. 159. "Quwwa" قُوَّةٍ : wörtlich "Stärke" oder "Macht", schließt Waffen und Ausrüstung mit ein. Die Bedeutung ist: seid immer wachsam und vorbereitet, damit euch der Feind nicht überraschen kann. (Darjabaadi) 160. Unmittelbarer Anlass für dieses Gebot war die Schwäche der Kavallerie in den frühen kriegerischen Auseinandersetzungen der Muslime. Die allgemeine Bedeutung ist jedoch folgende: In jeder Auseinandersetzung, sei sie physisch, moralisch oder geistig, soll sich der Gläubige mit den besten Waffen versehen, so dass er seinem Gegner Respekt vor sich selbst und der Sache, für die er sich einsetzt, einflößen kann. (Juusuf 'Allii) Der Ausdruck “Ribat Al-Hayl“ bezeichnet berittene Truppen, die überall da bereitgehalten werden, wo für den Feind eine Möglichkeit zur Invasion besteht. Im weiteren Sinne soll damit ständige Verteidigungsbereitschaft ausgedrückt werden. (Asad) Solche Vorsichtsmaßnahmen sollen getroffen werden, damit keine Panik oder Verwirrung entstehen kann und nicht mangelhaft ausgerüstete oder ausgebildete Leute in den Kampf geschickt werden müssen, oder dass der Feind überraschend angreifen und großen Schaden anrichten kann, bevor eine Abwehr möglich ist. (Mauduudi) 161. Wörtlich: "Allahs Feind und euren Feind", was besagt, dass jeder "Feind Allahs" (das heißt, jeder, der absichtlich die von Allah festgelegten moralischen Gesetzmäßigkeiten zu untergraben sucht) von selbst ein Feind derjenigen ist, die an Ihn den Imaan verinnerlichen. (Asad) 162. Es gibt immer verborgene Feinde, die niemand kennt außer Allah. Es ist unsere Pflicht, allen gegenüber wachsam zu sein. (Juusuf 'Allii) Es gibt sichtbare Feinde, die die Muslime genauestens kennen. Doch neben diesen gibt es solche, die sie nicht kennen oder die ihre Feindschaf\ gegenüber den Muslimen nicht offen bekundet haben. Doch Allah kennt ihre wahren Absichten. Gerade diese werden durch die Macht des Islam eingeschüchtert, auch wenn sie sie tatsächlich nicht berührt. (Qutb) Feinde, die ihr noch nicht kennt. Die historische Anspielung betrifft möglicherweise die benachbarten Großmächte Iran und Ostrom, mit denen die ausbreitende islamische Bewegung einige Jahre später kollidieren sollte. (Darjabaadi) 163. An Mitteln, Mühe und Menschenleben. (Asad) 164. Sei stets bereit, alle deine Mittel für Allahs Sache einzusetzen. Du tust es nicht umsonst; Allahs Lohn kommt in unterschiedlicher Form. Er weiß nicht alles, und Sein Lohn wird immer großzügiger und reichlicher sein als alles, was du verdient hast. (Juusuf ’Allii) Der Islam macht den Kampf und das Spenden für die Allahs Sache frei von allen weltlichen Absichten, persönlichen Beweggründen und jedem rassischen oder nationalen Gefühl, damit er aufrichtig Allahs Wort hochhält und so Sein Wohlgefallen erlangt. (Qutb)
61. Doch wenn sie sich dem Frieden zuwenden, so wende auch du dich ihm zu und setze dein Vertrauen auf Allah.165 Wahrlich, Er ist der Allhörende, der Allwissende.166 166. Er durchschaut ihre Machenschaften. (Darjabaadi) Während wir immer zum Kampf bereit sein müssen, wenn wir dazu gezwungen werden, sollen wir auch mitten in einer Auseinandersetzung immer zum Frieden bereit sein, sobald sich eine Neigung zum Frieden auf der gegnerischen Seite abzeichnet. Im Kampf an sich liegt kein Verdienst. Er sollte eine Pflicht sein, die bereitwillig nicht um ihrer selbst willen erfüllt wird, sondern um die Herrschaft von Frieden, Rechtschaffenheit und dem Gesetz Allahs wiederherzustellen. (Juusuf ’Allii)
62. Und wenn sie dich betrügen wollen,167 so ist wahrlich Allah dein Beschützer.168 Es ist es, Der dich mit Seiner Hilfe und mit den Mu’mins gestärkt hat.169 167. Mittels eines falschen Friedensvertrages oder Friedensangebotes, (Darjabaadi) 168. Selbst wenn sie nur deswegen Frieden anbieten, weil sie dich betrügen wollen, soll ihr Angebot angenommen werden, denn das endgültige Urteil über ihre Absichten muss auf eindeutigem Beweismaterial beruhen (Rasi), mit anderen Worten, bloßer Verdacht darf nicht dazu veranlassen, ein Friedensangebot abzulehnen, (Asad) Eure Beziehungen zu anderen Völkern sollen auf euer Vertrauen auf Allah begründet sein, denn "Er ist euere Genüge", Wenn der Gegner Bereitschaft zu Friedensgesprächen zeigt, solltet ihr bereit sein zu verhandeln, ohne zu zögern oder das Angebot zurückzuweisen mit der Begründung, der Gegner meine es nicht ehrlich, denn niemand kennt die wahren Absichten des anderen. Wenn der Gegner aufrichtig ist, wäre es falsch, sein Angebot abzulehnen und das Blutvergießen fortzusetzen, Hat er aber verräterische Absichten, dann wird Allah euch auf Grund eures Mutes und eurer moralischen Überlegenheit schützen. (Mauduudi) 169. Bei Friedensbestrebungen kann ein gewisses Sicherheitsrisiko bestehen. Wir sollen bereit sein, dieses Risiko einzugehen, der Muslim kann auf Allah vertrauen und sich auf die Kraft der vereinten Rechtschaffenheit verlassen. (Juusuf 'Allii) Wörtlich: "Und durch die Mu’mins", Damit werden die sichtbaren Mittel (Wasita) bezeichnet, durch die Allah Seinen Propheten unterstützte. (Asad)
63. Und Er hat ihre Herzen (in Liebe) vereint.170 Auch wenn du alles, was auf Erden ist (dafür) hingegeben hättest, hättest du ihre Herzen nicht (in Liebe) vereinen können,171 doch Allah vereinte sie (in Liebe). Wahrlich, Er ist Allmächtig, Allweise.172 170. So dass sie eine Quelle der Hilfe und Kraft für dich sein können. Es war doch ein regelrechtes Wunder, dass ein Volk, das so zersplittert und von Rivalitäten und Eifersüchteleien heimgesucht war wie die Araber, unter einem einzigen Führer vereint werden konnte, (Darjabaadi) Der Segen des Islam verursachte die Einigung der verschiedenen arabischen Stimme und die Integration zu einer einzigen starken Gemeinschaft. Besonders deutlich kommt diese Gnade Allahs im Fall der Aus und Hasradsch in Medina zum Ausdruck, die Todesfeinde waren, bis es dem Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, gelang, sie zu versöhnen, Dies hätte nicht mitmenschlichen Mitteln bewirkt werden können. (Mauduudi) 171. So hoffnungslos war die Aussicht auf Versöhnung. (Darjabaadi) 172. In diesem historischen Zusammenhang war die Vereinigung der zerstrittenen arabischen Stämme zu einer einheitlichen Gemeinschaft das größte Wunder. In jedem Zeitalter müssen wir Gott um diese Gabe bitten: Einheit, Verständigung und reine und aufrichtige Zuneigung und Liebe unter denen, die in Seinem Namen zusammenkommen. Darin liegen Kraft und Erfolg. Ohne dies bleiben Demütigungen, Sklaverei und moralische Degradierung. Es kann viele Gründe für Uneinigkeit und Streit geben. Die Versöhnung kann nur von Gottes Herrlichkeit und Weisheit kommen. (Juusuf ’Alli)
64. O Prophet! Allah ist deine Genüge, ebenso wie die Mu’mins, die dir folgen.173 173. Die Mu’mins: ein bloßes Lippenbekenntnis oder jene Art des Imaans, die nicht in Handlungen resultiert, genügt dazu nicht. Für alle die, deren Imaan so stark ist, dass er zu völligem Vertrauen auf Allah und furchtlosen Handeln in Seinem Dienst führt, zählen die irdischen Konsequenzen nicht. Allahs Wohlgefallen genügt ihnen. (Juusuf ’Allii) Allah ist deine Genüge, Er ist dein Beschützer, und Er ist Derjenige, Der dich das erste Mal unterstützte und dich mit den Mu’mins stärkte, die das Versprechen hielten, das sie Allah gegeben hatten. Und Er ist derjenige, Der sie zu einer geeinten Kraft machte, obwohl ihre Herzen zuvor so verschieden und einander Feind waren. (Qutb)
Abschnitt 9 65. O Prophet! Sporne die Mu’mins zum Kampf an.174 Wenn unter euch zwanzig Standhafte sind,175 so werden sie zweihundert besiegen. Und wenn unter euch hundert sind, werden sie tausend Kaafirs besiegen, weil das Leute sind, die nicht begreifen.176 174. Vergleiche Sure 4:84. Die Worte "Al-Qitaal" الْقِتَال können hier übersetzt werden mit "Zum Kampf oder "im Kampf“. Aufgrund der konventionellen Interpretation des Verbs “harid“ als "rufe auf“ oder "rege an" könnte der Satz übersetzt werden mit "rufe die Mu’mins zum Kampf auf“. Entsprechend der Fußnote zum oben erwähnten Aja neige ich jedoch zu der Übersetzung "Befreie die Mu’mins von aller inneren Unruhe oder Todesfurcht" oder "begeistere die Mu’mins dafür, alle Todesfurcht zu überwinden". (Asad) 176. Die Mu’mins bleiben immer zuversichtlich, wie groß auch die Übern1acht sein mag, die sich ihm entgegenstellt. (Darjabaadi) 176. Im Kampf ist eine zehnfache Übermacht erschreckend. Der Muslim zögert aber nicht. Ob er selbst siegt oder stirbt, er tut es für Allahs Sache. Er ist sich seines letztichen Sieges gewiss, denn 1. hat er Allahs Beistand, und 2. sind, rein menschlich gesprochen, diejenigen, die Wahrheit und Rechtschaffenheit zu bekämpfen versuchen, in der Tat Narren, und ihre scheinbare Macht ist nicht von wirklicher Bedeutung. (Juusuf 'Allii) Einige Kommentatoren verstehen diesen Aja als eine Voraussage Allahs, etwa in dem Sinne: "Wenn zwanzig von euch da sind ...dann werden sie zweihundert besiegen" und so weiter. Da jedoch die Geschichte zeigt, dass selbst zur Zeit des Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, die Muslime nicht immer einer solchen Übermacht gewachsen waren, ist diese Ansicht nicht haltbar . Um den Abschnitt richtig zu verstehen, müssen wir ihn in enger Verbindung mit dem einleitenden Satz "Begeistere die Mu’mins, alle Todesfurcht zu überwinden" lesen. Daraus ergibt sich als Bedeutung eine Ermahnung an die Muslime, alle Todesfurcht zu überwinden und so standhaft und geduldig zu sein, dass sie vielleicht in die Lage versetzt werden, einen um ein Vielfaches stärkeren Feind zu überwinden (Rasi). Die abschließenden Worte dieser Aja: "weil sie Leute sind, .die (die Wahrheit) nicht begreifen, können auf. zweierlei. Weise verstanden werden:. 1. als ein zusätzlicher Grund für die Überlegenheit der Mu’mins über diejenigen, die die Wahrheit ablehnen, insofern als letztere, die nicht an die ewigen Wahrheiten und ein Leben nach dem Tod den Imaan verinnerlichen, nicht die Bereitschaft zur Selbstaufopferung können, die Mu’mins auszeichnet; oder 2. als eine Erklärung, dass diejenigen, die die Wahrheit ablehnen, dies einfach deswegen tun, weil ihre geistige Taubheit um Blindheit sie daran hindert, sie zu begreifen. Meiner Ansicht nach ist die zweite Möglichkeit vorzuziehen, besonders deshalb, weil der Qur’an die Leugner der Wahrheit oft mit diesen Worten kennzeichnet (vergleiche beispielsweise Suura 6:25; 7:179; 9:87 und viele andere). (Asad) Das Wort" Verstand" oder "Begreifen" wird hier in demselben Sinne gebraucht wie heutzutage das Wort "Moral" -die moralische um geistige Verfassung, die es Menschen ermöglicht, Mut und Begeisterung zu bewahren. Es ist nämlich offensichtlich, dass jemand, der weiß, wofür er sich einsetzt, sein Ziel höher einschätzt als sein eigenes Leben und deswegen über größere Kampfkraft verfüg falls jemand, der vielleicht gleich stark ist, aber nicht weiß, wofür er kämpft. Darüber hinaus verfügt jemand, der die Wahrheit, die Existenz Allahs, seine eigene Position im Universum, seine eigene Beziehung zu Allah, die Bedeutung von Leben und Tod in dieser Welt und vom zukünftigen Leben sowie den Unterschied zwischen Wahrheit und Illusion richtig versteht, über weit mehr Kraft als jemand, der für seine Nation oder sein Land kämpft. (Mauduudi) Anmerkung des Überarbeiters: Ein Mu’min mit seiner Taqwa wird Allah im Kampf mit einer Übermacht besiegen lassen. Aber einen Muslim nicht, weil jener nicht über denn Imaan, also dass Vertrauen auf Allah so sehr verinnerlicht hat wie ein Mu’min. Daher wir Allah nicht jeden dieses Geschenk geben, immer siegreich aus einer Sache hervorzugehen.
66. Jetzt (aber)177 hat Allah es euch leichter gemacht,178 denn Er weiß ja, dass in euch Schwäche ist.179 Wenn also unter euch hundert Standhafte sind, so werden sie zweihundert besiegen. Und wenn unter euch eintausend sind, werden sie zweitausend besiegen durch die Ermächtigung Allahs.180 Und Allah ist mit den Standhaften. 177. Zwischen dem vorigen Teil des Ajas und diesem liegt eine längere Zeitspanne. (Darjabaadi) Ibn 'Abbas berichtete: "Als der erste Teil des Ajas offenbart wurde, fiel es den Muslims schwer und sie fanden es hart, wenn zwanzig von ihnen gegen zweihundert und einhundert gegen eintausend kämpfen sollten. So machte es ihnen Allah leichter um hob das erste Gesetz durch das zweite auf." (ibn Kasir) 178. Unter gleichen Bedingungen um Voraussetzungen könnten Muslime aufgrund ihrer Stärke des Imaans einer zehnfachen Übermacht gegenübertreten. Wenn ihre Organisation um ihre Ausrüstung jedoch mangelhaft sind, wie es bei Badr der Fall war, wird ihnen ihre Aufgabe erleichtert. (Juusuf 'Allii) 179. Einige Kommentatoren und Rechtsgelehrte leiten aus diesem Aja ein Gebot für die Mu’mins her, dass einer im Zustand der Stärke vor der zehnfachen Übermacht und im Zustand der Schwäche vor der zweifachen Übermacht nicht fliehen darf. Hier gibt es sekundäre Meinungsverschiedenheiten, auf die wir nicht näher eingehen wollen. Es ist uns wichtiger, dass dieser Aja die Wahrheit über das Kräfteverhältnis der Muslime gegenüber ihren Gegnern noch Allahs Maßstab zum Ausdruck bringt. (Qutb) 180. Vergleiche 5. Buch Moses 20: 1: "Wenn du in einen Krieg ziehst gegen deine Feinde und siehst Rosse und Wagen eines Heeres, dass größer ist als du, so fürchte dich nicht vor ihnen; denn der Herr, dein Gott, der dich aus Ägyptenland geführt hat, ist mit dir." (Darjabaadi) Dies bezieht sich auf die Zeit, zu der der obige Aja offenbart wurde, nämlich unmittelbar nach der Schlacht von Badr, als die Mus~ sowohl zahlenmäßig als auch bezüglich der Ausrüstung sehr schwach waren und ihre Gemeinschaft noch nicht über eine nennenswerte politischen Organisation verfügte. Unter diesen Umständen konnte laut Qur’an, ebenso wenig wie von jeder späteren muslimischen Gemeinschaft, unter ähnlichen Umständen ein solcher Einsatz und eine solche Effektivität von ihnen erwartet werden, wie von einer voll entwickelten Gemeinschaft von Muslimen. Aber selbst dann sollten sie einer zweifachen Übermacht standhalten können (diese Proportionen sind selbstverständlich nicht wörtlich zu verstehen; in der Tat hatten die Muslime bei Badr sogar eine dreifache Übermacht zurückgeschlagen). (Asad)
67. Und es ist einem Propheten181 nicht erlaubt, Kriegsgefangene zu nehmen, bevor er überall (die Götzendiener) niedergekämpft hat.182 Ihr zieht die vergänglichen Güter dieser Welt vor.183 Doch Allah wünscht euch das Jenseits.184 Und Allah ist Allmächtig, Allweise. 181. Der sich immer mit reiner Absicht für die Rechtschaffenheit einsetzt und niemals für zweifelhafte Ziele oder persönliche Interessen. (Darjabaadi) 182. Ein gewöhnlicher Krieg wird vielleicht um ein Territorium oder Handelsmonopol, als Vergel1ungsschlag oder aus Ruhmsucht geführt -alles "vergängliche Werte dieser Welt". Jeder solche Krieg wird verurteilt. Aber ein Dschihaad wird unter strengen Bedingungen und der Leitung eines gerechten Imams geführt, einzig und allein zur Verteidigung des Islams, und des Gesetzes ~. Alle niedrigeren Motive werden deswegen streng ausgeschlossen. Die Gier nach Besitz in Form von Lösegeld für Gefangene hat in einem solchen Kampf keinen Platz. Gleichzeitig ist es erlaubt, Gefangene zu machen, wenn Blutvergießen stattgefunden hat, und der Imam hat darüber zu verfügen, wann diese ohne Sicherheitsrisiko freigelassen werden können, und ob dies auf ihr Ehrenwort hin geschieht oder nach Zahlung einer Entschädigung. In der Schlacht von Badr nahmen die Muslime siebzig Gefangene und beschlossen, ein Lösegeld für sie anzunehmen. Während als allgemeines Prinzip Gefangennahme als Zielsetzung, um Lösegeld zu erhalten, verurteilt wird, wurde in diesem Fall das Vorgehen gutgeheißen (vergleiche Ajas 68-71), (Juusuf 'Allii) Wie es im Qur’an fast immer der Fall ist, ist ein an den Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, gerichtetes Gebot ebenso für seine Anhänger gültig. Folglich legt dieser Aja fest, dass niemand gefangen genommen oder zurückgehalten werden darf, sofern er Dicht im Dschihaad gefangen genommen wurde –dass somit der Erwerb von Sklaven "mit friedlichen Mitteln" zum Zweck der Sklavenhaltung völlig verboten ist. In Bezug auf Kriegsgefangene gebietet der Qur’an (Suura 47:4), dass sie nach dem Krieg freigelassen werden müssen. (Asad) 183. Hier waren gewisse Muslime angesprochen, die auf das Lösegeld spekulierten, (Darjabaadi) Die Schlacht von Badr war die erste zwischen Muslimen und Götzendienern, Die Anzahl der Muslime war viel geringer als die der Götzendiener. Diese viel größere Anzahl galt es zu verringern, um sie zu schwächen und ihre Überheblichkeit zu brechen, damit sie aufhörten, die Muslime zu überfallen. Dieses große Ziel war nicht mit Geld zu erreichen. Und noch einen anderen Zweck hatte dieses Verbot der Gefangennahme, nämlich wie aus den Worten ’Umars zu entnehmen: "... ,dass Allah weiß, dass wir keine Nachsicht in unseren Herzen für die Götzendiener haben", Aus diesen beiden Gründen tadelte der Qur’an die Muslime die Lösegeld für die Kriegsgefangenen von Badr nahmen, (Qutb)
68. Und wenn nicht eine Bestimmung von Allah zuvor gekommen wäre,185 hätte euch für das, was ihr genommen habt, eine gewaltige Strafe erfaßt.l86 185. Während alle Interessen an irdischem Gewinn, die einige Angehörige der muslimischen Streitkräfte gehabt haben mögen, als strafwürdig verurteilt werden, werden die tatsächlichen Vorkommnisse als Allahs Plan entsprechend beschrieben. Unter den Gefangenen befanden sich 'Abbas, der Onkel des Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, und 'Alliis Bruder 'Aqil, die später Muslime wurden. Abbas war der Ahnherr und Begründer der späteren' Abbassidendynastie, die in der islamischen Geschichte eine bedeutende Rolle spielen sollte. In seinem Fall ging das in Aja 70 ausgesprochene Versprechen voll in Erfüllung. Soweit in den Herzen der Gefangenen Gutes war, führte sie ihr Kampf gegen den Islam und ihre Gefangenschaft dazu, dass sie schließlich den Islam annahmen. (Juusuf 'Allii) 186. Diese vorherige Bestimmung, ihnen ihre Sünden zu vergeben, hat sie davor bewahrt, bestraft zu werden, weil sie entgegen Allahs Verbot Lösegeld genommen hatten, (Qutb) Nach der Schlacht von Badr debattierten die Muslime, was mit den Gefangenen zu geschehen habe. 'Umar ibn Al-Hattab war der Ansicht, sie sollten ihrer Verbrechen wegen hingerichtet werden, insbesondere für ihre Verfolgung der Muslime vor der Auswanderung. Abu Bakr demgegenüber plädierte für Vergebung und Freilassung der Gefangenen gegen Lösegeld mit der Begründung, ein solches Verhalten würde einige von ihnen veranlassen, die Wahrheit des Islam zu erkennen. (Asad)
69. Doch nun macht Gebrauch von dem,187 was ihr erbeutet habt, soweit es erlaubt und gut ist.188 Und fürchtet Allah. Wahrlich, Allah ist Verzeihend, Barmherzig. 187. Wörtlich: "esst". Vergleiche auch Suura 5:66 und 7:19. (Juusuf 'Allii) 188. Allahs Gnade erlaubte damit den Muslimen, Kriegsbeute zu nehmen, einschließlich des Lösegelds, wofür sie zuvor getadelt wurden, -während dies bei den anderen Religionen verboten war. (Qutb)
Abschnitt 10 70. O Prophet! Sprich zu den Kriegsgefangenen, die in euren Händen sind:189 "Wenn Allah Gutes in euren Herzen er kennt, wird Er euch Besseres geben als das, was euch genommen worden ist.190 Und er wird euch verzeihen.191 Und Allah ist Verzeihend, Barmherzig.192 189. Der Prophet war weit davon entfernt, die Gefangenen Drohungen auszusetzen. Er hoffte, durch freundliche Behandlung ihre Sympathie für den Islam zu gewinnen. (Darjabaadi) l90. Dies ist ein Trost für die Kriegsgefangenen. Trotz ihrer früheren Feindseligkeiten ist Allah bereit, ihnen zu vergeben, wenn Er in ihren Herzen etwas Gutes findet, und ihnen ein größeres Geschenk zu geben als alles, was sie verloren haben. In seinem höchsten Sinne wäre dies der Segen des Islam, aber selbst im rein materiellen Sinne erwartet sie großes Glück, wie es beispielsweise bei 'Abbas der Fall war. (Juusuf 'Allii) 191. Selbst in dieser Welt. (Darjabaadi) 192. "Wenn Allah in euren Herzen die Neigung findet, die Wahrheit Seiner Botschaft zu erkennen, wird Er euch Imaan schenken und damit das Gute des zukünftigen Lebens. Dies wird bei weitem eure Niederlage im Krieg und den Verlust so vieler eurer Freunde aufwiegen." Obwohl diese Worte in erster Linie an die Kriegsgefangenen aus der Schlacht bei Badr gerichtet sind, geben sie die islamische Haltung gegenüber allen ungläubigen Feinden wieder, die in die Gefangenschaft der Muslime geraten. Über Kriegsgefangene siehe weiter Suura 47:4. (Asad)
71. Und wenn sie Verrat an dir üben wollen,193 so haben sie bereits vor dem an Allah Verrat geübt.194 Deshalb haben Wir (dir) Macht über sie gegeben.195 Und Allah ist Allwissend, Allweise. 193. Das heißt, wenn sie vorgeben, ihre Ansicht geändert und den Islam angenommen zu haben, um dadurch von der Verpflichtung befreit zu werden, Lösegeld zahlen zu müssen. (Asad) 194. Wem die den Gefangenen erwiesene Freundlichkeit nach ihrer Freilassung missbraucht wird, dann sollten diejenigen, die ihnen Freundlichkeit erwiesen haben, nicht entmutigt sein. Diese Menschen haben sich bereits verräterisch verhalten, indem sie gegen den Gesandten Allahs zu den Waffen griffen und versuchten, den reinen ’'Ibaada aus der Welt zu schaffen. Die Strafe der Niederlage, die die Augen mancher ihrer Kameraden öffnete, hatte bei ihnen nicht das gleiche Ergebnis. Die Muslime haben ihre Pflicht getan, indem sie ihnen solche Milde erwiesen haben, wie es unter den gegebenen Umständen überhaupt möglich war. Ihnen "ist Allah genug". (Juusuf 'Allii) Sie haben Allah gegenüber treulos gehandelt, indem sie Ihm andere Wesen beigesellen, denn damit haben sie den menschlichen Urbund mit Allah gebrochen (vergleiche Suura 7:172). Wenn sie nun dem Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, gegenüber verräterisch handeln, während sie seine Gefangenen sind, so sollen sie an die Folgen ihres ersten Verrats, der sie in Gefangenschaft geraten ließ, denken. (Qutb) 195. Er hat sie in eure Hand gegeben, und es besteht kein Grund zu Befürchtungen. Wie Er euch in Badr beigestanden hat, so wird Er euch weiter beistehen, wenn sie Verrat üben. (Darjabaadi) Auf diele Weile werden die Muslime indirekt ermahnt, die Aussagen ihrer Gefangenen zunächst einmal zu akzeptieren um sich nicht durch Verdächtigungen bezüglich ihrer Absichten verunsichern zu lassen. Die Möglichkeit des Verrats "seitens der Gefangenen und selbst die nachträgliche Entdeckung einer tatsächlich geplanten Treulosigkeit sollte die Muslime nicht veranlassen, von der von Allah gebotenen Verhaltensweise abzuweichen. (Asad)
72. Wahrlich, jene die denn Imaan verinnerlichten und Haus und Heimat verließen196 und sich aufopfernd mit ihrem Besitz und mit ihrem Leben für die Sache Allahs einsetzten,197 ebenso wie jene, die ihnen Aufnahme und Hilfe gewährt haben,198 sind einander Freunde und Beschützer.199 Jene Mu’mins jedoch, die Haus und Heimat nicht verließen,200 für deren Schutz seid ihr in keiner Weise verantwortlich, ehe sie nicht auswandern.201 Doch wenn sie eure Hilfe erbitten, um eine Gefahr für denn Diin abzuwenden,202 dann solltet ihr (ihnen) beistehen, es sei denn, es wäre gegen ein Volk, zwischen dem und euch ein Bündnis besteht.203 Und Allah sieht wohl, was ihr tut. 196. "Haadscharuu" هَاجَرُو -wörtlich: die auswanderten. (Anm. d. Übers.) Vergleiche Sure 2:218, Fußnote 443. Historisch gesehen bezieht sich dieser Begriff auf die Muslime aus Mekka, die mit dem Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, nach Medina auswanderten; die Folge jedoch verdeutlicht, dass die in diesem Aja ausgesprochenen Definition und Gebote einen allgemeingültigen Charakter haben und für alle Zeiten verbindlich sind. Angesichts all dessen ist anzumerken, dass die hier erwähnte Hidschra überwiegend physische Zumutung hat im Sinne einer Auswanderung aus einem nichtmuslimischen Land in ein Land, in dem das islamische Gesetz Gültigkeit hat. (Asad) 197, Vergleiche Suura 2:218, Fußnote 444. Nach einem authentischen Hadiis wird Imaan definiert als "Erkenntnis (Ma'rifa) mit dem Herzen, Bestätigung mit der Zunge und Verwirklichung mit allen Fähigkeiten (Arkan)". Der Islam hatte sich, wie alle anderen Religionen zuvor, zum Ziel gesetzt, nicht nur die Menschen zur völligen Hingabe an Allah zu führen und Ihn allein zu verehren, sondern sie auch von der Untertänigkeit anderen Geschöpfen gegenüber zu befreien und sie unter die Gesetze Allahs zu stellen. Da diese Ziele zu denen des vorislamischen Kufrs im Gegensatz standen, musste es unausweichlich zur Formung einer neuen eigenständigen Gemeinschaft und zur völligen Trennung von Gemeinschaft der Götzendiener kommen. Mit diesen Ajas löste sich in Mekka jeder, der die Schahada aussprach, von der Loyalität gegenüber seiner Familie, seiner Sippe, seinem Stamm und den Führern Quraisch. Der Prophet, Allahs Segen und Frieden auf ihm, verbrüderte daraufhin die einzelnen Angehörigen des Islams untereinander. Er machte aus ihnen eine neue Gemeinschaft und setzte die Bande des Islams anstelle der des Blutes und der Familienangehörigkeit. (Qutb) Siehe auch 4:95. (Anm. d. Übers.) 198. Dies bezieht sich in erster Linie auf die Ansar ("Helfer") in Medina, das heißt auf diejenigen Bürger dieser Stadt, die kurze Zeit zuvor den Weg zum Islam gefunden hatten und den Muhadschirin ("Auswanderern") aus Mekka Schutz und Hilfe gewährten. Aber ähnlich der erweiterten Bedeutung des Begriffes Hidschra und Muhadschir, so überschreitet Ansar der Begriff “Ansar“ seine rein historische Bedeutung und bezieht sich auf alle Muslime, die "denjenigen, die sich vom Bösen distanzieren", Hilfe und Trost gewähren. (Asad) Diese beiden Gruppen schlossen in Medina unter der Führung des Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Blutsbrüderschaft und verhielten sich wie leibliche Verwandte zueinander. Selbst in Erbrechtsangelegenheiten hatten sie diesen Status, solange sie von ihrer eigenen Verwandtschaft getrennt waren. (Juusuf 'All) 199. Der Begriff “Aulija' wird meist mit "Freunde" oder "Helfer" oder "Beschützer" übersetzt, womit ausgedrückt werden soll, dass sie Verbündete waren, die unter allen Umständen bereit waren, füreinander einzutreten. Darjabaadi übersetzt mit "Erben" um fügt hinzu: "Dies Beziehung blieb in Kraft, bis normale Lebensverhältnisse wiederhergestellt und die' Auswanderer wieder mit ihren Familienangehörigen vereint waren. (Anm. d. Übers.) 200. Das heißt diejenigen Muslime, die aus dem einen oder anderen Grund sich außerhalb des politischen Einflusses des islamischen Staates und des Geltungsbereiches des islamischen Rechts aufhalten. (Asad) 201. Die Muslime haben jeden Anspruch auf Hilfe und Unterstützung in islamischen Angelegenheiten. Wenn sie jedoch nicht bereit sind, für Allahs Sache auszuwandern und die Opfer zu bringen, die ihre Brüder im Islam gebracht haben, dann können sie wohl kaum deren politische oder gar militärische Hilfe verlangen. (Juusuf ’Allii) Die rechtlichen Implikationen, die sich aus diesem Vers ergeben haben, sind sehr weit reichend. Hier genügt die Feststellung, dass zwischen Muslimen, die im islamischen Staat (Dar Al-Islam) und denen, die in einem islamfeindlichen Gebiet (Dar Al-Harb oder Dar Al-Kufr) leben, keine gegenseitige Rechtsvertretung möglich ist. Auch gegenseitige Erbschaft oder Heirat ist nur dann möglich, wenn beide Beteiligten im Geltungsbereich desselben Gesetzes leben. Darüber hinaus betrifft dieser Aja die Außenpolitik des islamischen Staates und befreit ihn von der politischen Verantwortlichkeit für die Muslime, die außerhalb seines Rechtsprechungsbereiches leben. Auf diese Weise entfallen viele Ursachen für kriegerische Auseinandersetzungen. (Mauduudi) 202. Dies bezieht sich auch auf Hilfe, wenn sie aufgrund des Islams Verfolgungen ausgesetzt sind. (Asad) 203. Wenn eine Gemeinschaft auf Grund von Verfolgung und Unterdrückung ins Exil geht und einige ihrer schwächeren Mitglieder zurückbleiben müssen, weil sie außerstande sind, dieses Opfer zu bringen, besteht für die Ausgewanderten immer noch die Verpflichtung, ihnen in religiösen Angelegenheiten beizustehen. Solange sich die Ausgewanderten mit dem Staat, der sie unterdrückt hatte, im Kriegszustand befinden, können sie gegen ihn kämpfen. Leben die Zurückgebliebenen jedoch in einem Staat, mit dem die muslimische Gemeinschaft einen Friedensvertrag oder ein Bündnis abgeschlossen hat, dann kann sich die muslimische Gemeinschaft nicht in dessen innere Angelegenheiten einmischen. Für eventuelle Klagen der Zurückgebliebenen ist dieser Staat verantwortlich, und es wäre unehrenhaft, einen Verbündeten durch Einmischung in Verlegenheit zu bringen. (Juusuf ’Allii) Da in einem solchen Fall eine bewaffnete Intervention des islamischen Staates zugunsten muslimischer Bürger eines nichtmuslimischen einen Vertragsbruch bedeuten würde, darf der islamische Staat hier nicht gewaltsam eingreifen. Eine Lösung der bestehenden Probleme kann gegebenenfalls durch Verhandlungen zwischen den beiden Staaten oder durch Auswanderung der verfolgten Muslime herbeigeführt werden. (Asad)
73. Und (auch) die Kaafirs sind einander Freunde und Beschützer.204 Wenn ihr (diesem Gebot) nicht folgt, so sind Zwietracht und großes Unheil auf Erden unausweichlich.205 204. Die Tatsache, dass sie die Wahrheit ablehnen, bildet sozusagen einen gemeinsamen Nenner für sie und schließt aus, dass sie jemals echte Freunde der Muslime sein können. Dies bezieht sich selbstverständlich auf die Beziehung zwischen Gemeinschaften und nicht notwendigerweise auf Individuen, deswegen übersetze ich den Begriff “Aulija' hier mit "Verbündete". (Asad) 205. Böses verbündet sich mit Bösem. Um so mehr besteht für die Guten ein Grund, sich zusammenzuschließen und nicht nur in gegenseitiger Harmonie nebeneinander herzuleben, sondern jederzeit bereit zu sein, einander zu schützen. Andernfalls wird die Welt zu einem Tummelplatz der Aggressionen skrupelloser Menschen, und die Guten können nicht ihre Pflicht erfüllen, Allahs Frieden zu verwirklichen und die Kräfte der Wahrheit und Gerechtigkeit zu stärken. (Juusuf 'Allii) Muslime, die ihre Existenz nicht auf dem Zusammenhalt all ihrer Mitglieder unter einer gemeinsamen Führung aufbauen, tragen vor Allah die Verantwortung für den Unfrieden auf Erden, zusätzlich zu dem, was sie in ihrem persönlichen Leben zu verantworten haben. (Qutb)
74. Und jene, die denn Imaan verinnerlichten und Haus und Heimat verließen und sich aufopfernd mit ihrem Besitz und ihrem Leben für die Sache Allahs einsetzten206 und eben falls jene, die (ihnen) Aufnahme und Hüfe gewährt haben,207 das sind die Mu’mins.208 Ihnen wird Vergebung und eine ehrenvolle Versorgung zuteil.209 206. Nämlich in der Anfangszeit der Auseinandersetzung. (Darjabaadi) Imaan ist nicht eine bloße Annahme des Islams und Ausführung seiner Riten, sondern sie muss durch Taten untermauert werden. (Qutb) 207. Nämlich die Ansar in Medina. (Darjabaadi) 208. Die ersten und vordersten, die alles riskieren, um sich für die Wahrheit einzusetzen. (Darjabaadi) 209. Muslime, die für Allahs Sache Opfer bringen, beweisen durch ihre Handlungen am besten ihren Imaan. Sie lieben Allah sehr, und vieles wird ihnen vergeben. Was sie aufgegeben haben, war, nach allgemeinem Maßstab beurteilt, vielleicht gering an Wert, aber sein Wert wird an der damit verbundenen Liebe gemessen, und der Lohn dafür wird alles übersteigen, was normalerweise denkbar ist. Es handelt sich nicht um eine Belohnung, die nur einmal gegeben wird, sondern um eine Fürsorge, die von Dauer ist und reichlich gewährt wird. (Juusuf 'Allii) Vergleiche auch Aja 4 dieser Suura. (Asad)
75. Und Jene, die später mu’min geworden und ausgewandert sind und gemeinsam mit euch sich aufopfernd einsetzten,210 die gehören zu euch.211 Doch die Blutsverwandten stehen einander (am nächsten) nach dem Gebot Allahs.212 Wahrlich, Allah weiß um alle Dinge. 210. Die Bedingung auszuwandern bestand für die Muslime bis zu der Eroberung Mekkas. Danach gab es keine Auswanderung mehr, jedoch, wie der Prophet, Allahs Segen und Frieden auf ihm, gesagt hat, aufopferungsvolle Arbeit und Hingabe für den Diin. (Qutb) Diejenigen, die sich der muslimischen Gemeinschaft später anschließen, sind Geschwister im Islam im vollsten Sinne des Wortes. Allerdings wird das, was durch die au8ergewöbnlichen Umstände den ersten Märtyrern für Allahs Sache vorbehalten ist, sich nicht auf sie anwenden lassen, da diese besonderen Umstände nicht mehr vorliegen. (Juusuf 'Allii) 211. Auch sie gehören der Bruderschaft des Islam an, in der der gemeinsame Imaan das entscheidende Band zwischen den Mu’mins bildet. (Asad) 212. Wörtlich: im Buch Allahs, das heißt in Allahs universalem Plan, nach Seinen Gesetzmäßigkeiten. Blutsverwandtschaft und die sich daraus ergebenden Rechte und Pflichten hängen nicht von besonderen Umständen ab. Alle zeitweiligen Rechte auf gegenseitige Erbschaft, die für die frühen Emigranten und ihre Helfer galten, können auf spätere Neulinge nicht angewandt werden, die unter vollkommen anderen Bedingungen dazukommen. (Juusuf 'Allii) Die klassischen Kommentatoren sind der Ansicht, dass sich dieser letzte Satz auf tatsächliche Familienbeziehungen bezieht, im Unterschied zu der geistigen Verwandtschaft, auf der eine Gemeinschaft im Islam begründet ist. Dieser Ansicht nach schaffte dieser Aja den unter den frühen Muslimen üblichen Brauch ab, dass die Ansar (die "Helfer" aus Medina) mit den Muhadschirin (den "Auswanderern") individuell symbolisch Bruderschaft schlossen. Letztere kamen oft völlig mittellos in Medina an und erhielten durch diesen Bruderschafftsbund einen Anteil am Eigentum der jeweiligen Ansar, sowie nach deren Tod ein Erbrecht. (Asad) Die erste Aufbauphase der islamischen Existenz hatte ihre eigenen Gesetze und Pflichten. Islamzugeörigkeit stand anstelle von Blutsbanden in jeder Hinsicht, Erbschaften eingeschlossen. Als jedoch der Islam sich zu stabilisieren begann, gingen die Ausnahmreglungen zu Ende, die für diese außergewöhnliche Periode von Wichtigkeit waren. Erbschaften und gegenseitige Verantwortlichkeiten wurden wieder den Blutsverwandtschaften zugeführt. (Qutb)
Einführung zu Suura 9
Diese
Suura setzt logisch die Argumentation der letzten Suura fort
und kann als ein Teil davon angesehen werden, obgleich beide
chronologisch durch einen siebenjährigen Zwischenraum
getrennt sind. |