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Von Suura 4 "Die Frauen" Aja 148 –
Suura 5 "Der
Tisch" Aja 81
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148. Allah liebt es nicht, dass man (jemanden) in aller
Öffentlichkeit mit harten Worten angreift,362 außer, wenn einem
Unrecht zugefügt worden ist.363 Und Allah ist hörend, wissend.363 362. Böses kann auf
verschiedene Weise in der Öffentlichkeit verbreitet werden: 1.
durch bloße Sensationsgier: Diese führt oft zu Imitation und somit zu neuem
Übel, wie beispielsweise kriminellen Handlungen, die im Kino verherrlicht oder
verantwortungslos in einem Roman oder Drama dargestellt werden; 2.
durch boshaften Klatsch persönlicher Art: Damit erreicht man nichts Gutes,
sondern verletzt nur die Gefühle anderer Menschen; 3.
durch böswillige Verleumdung oder üble Nachrede: Darin ist bereits
beabsichtigt, anderen Menschen in Bezug auf ihren Ruf oder in anderer Hinsicht
zu schaden, und dies ist in jedem Rechtssystem strafbar; 4.
durch öffentliche Verwarnung oder Strafe ohne jede böse Absicht. 1.,
2. und 3. sind absolut verboten. 4. kann durch eine Autoritätsperson geschehen;
in diesem Fall gilt der Ausnahmesatz, denn jedes Unrecht und jede
Ungerechtigkeit muss öffentlich korrigiert werden, um Wiederholung
auszuschließen. 4. kann aber auch durch eine Person geschehen, die nicht in
einer verantwortlichen Position steht, sondern aus einem Verantwortungsgefühl
für das öffentliche Wohl heraus handelt, oder um jemandem zu helfen, dem
Unrecht oder Ungerechtigkeit geschehen ist. Sobald jedoch das Motiv ein anderes
ist, gilt diese Ausnahme nicht mehr. 4. schließt auch die Möglichkeit ein, dass
jemand, dem Unrecht geschehen ist, öffentlich Beschwerde einlegt: Er hat allen
Anspruch auf öffentliche Entschädigung. (Juusuf 'Allii) Da
die Gesellschaft ein empfindliches Gefüge ist, muss das soziale Verhalten
dieser Empfindlichkeit Rechnung tragen. Der Sprecher eines achtlos gesagten
Wortes rechnet nicht mit dessen Folgen und mit manch einem allgemein bekannt
gewordenen Gerücht hatte dessen Urheber nur eine bestimmte Person gemeint; beides
jedoch hinterlässt eine Spur im Bewusstsein der Gesellschaft, in der
öffentlichen Moral und in der Stabilität. (Qutb) Dieser
Aja verbietet alle Formen von Verleumdung und übler Nachrede sowie die
Äußerung und Verbreitung von Aussagen, durch die andere diffamiert werden
können -ungeachtet ihres Wahrheitsgehalts -es sei denn, es läge ein
berechtigter Grund vor. (Darjabaadi) Einige
Kommentatoren, unter ihnen Imam Rasi, sind der Ansicht, dass die Muslime in
diesem Aja aufgefordert werden, auf Veröffentlichung früherer Worte und Taten
reuiger Sünder zu verzichten, ob es sich nun um Heuchler oder Kaafir handelt,
wie sie im vorigen Aja erwähnt worden sind. (Siddiqi) 363.
Unter diesen Umständen ist es erlaubt, eine Ungerechtigkeit beim Namen zu
nennen, so dass Ungerechtigkeit ausgeglichen, Feindschaft beseitigt und Böses
vergolten werden kann. Ungerechtigkeiten und Ungerechte sollen in der
Gesellschaft bekannt gemacht werden, damit die Gesellschaft den Geschädigten
sein Recht verschaffen kann und der Ungerechte die Folgen seiner Handlungsweise
fürchten muss, und es ihm widerstrebt, eine solche Handlung zu wiederholen.
(Qutb) Hierin
ist auch inbegriffen, dass böswilliges Verhalten gegen die Gesellschaft als
solche veröffentlicht werden kann, wenn die Interessen des Geschädigten -in
diesem Falle die Gesellschaft -dieses erfordern. (Asad) 364. Mit diesen beiden Namen Allahs werden die Unterdrücker gewarnt und die Unterdrückten getröstet. Dem Unterdrücker wird mitgeteilt, dass der Schrei des Unterdrückten, wenn er in dieser Welt auf taube Ohren stößt, von Allah erhört wird, der sehr wohl das Unrecht kennt, das ihm geschehen ist. Der Unterdrückte wird damit getröstet, dass er nicht enttäuscht sein soll, wenn das ihm geschehene Unrecht nicht ausgeglichen wird, denn Allah hört seinen Ruf und kennt seine Schwierigkeiten. (Siddiqi)
149. Ob ihr Gutes offenbart oder heimlich übt oder
Übles vergebt,365 so ist Allah wahrlich vergebend, allmächtig.366 365.
Es ist sehr verdienstvoll für jemanden, dem Unrecht geschehen ist, dem
Übeltäter mit Vergebung entgegenzukommen. (Darjabaadi) In
diesem Aja werden die höchsten ethischen Lehren ausgedrückt. Die Muslime
werden gelehrt, sich tugendhaft zu verhalten oder wenigstens Ausdauer zu
zeigen, auch gegenüber Provokationen. Als dieser Aja offenbart wurde,
widersetzten sich die Heuchler, Juden und Götzendiener gerade dem Islam mit
allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln und misshandelten seine Anhänger
auf alle nur erdenkliche Weise. Deswegen wäre es nur natürlich gewesen, wenn die
Muslime mit Gefühlen des Zorns und Hasses erfüllt gewesen wären. Einem solchen
Sturm der Emotionen gegenüber warnte Allah sie, dass es Ihm nicht gefalle, wenn
ihnen Unrecht geschehen war und sie somit das Recht dazu hätten, ihre
Bitterkeit zum Ausdruck zu bringen. Sie wurden gelehrt, dass sie als Muslime
weiterhin offen und insgeheim Gutes tun oder sich zumindest enthalten sollten,
Böses mit Bösem zu vergelten. (Mauduudi) Mit
dieser Entziehungsmethode wird der Muslim wie auch die muslimische Gemeinschaft
um einen weiteren Grad erhöht. Der erste Schritt bestand in der Lehre, dass
Allah die Veröffentlichung des Bösen verabscheut, und es nur jemandem erlaubt,
dem Unrecht geschehen ist, durch Veröffentlichung des Unrechts sein Recht zu
fordern. Mit dem zweiten Schritt werden alle aufgefordert, Gutes zu tun, und
der Geschädigte wird aufgerufen, Böses mit Gutem zu vergelten. Dadurch wird
seine Seele erhöht, denn höher und reiner als der Wunsch nach Rache ist der
Wille zur Vergebung. (Qutb) 366. "Qadir": von der Wurzel "Qadara", die nicht nur Macht, Fähigkeit und Kraft bezeichnet, sondern auch noch zwei weitere Gedanken zum Ausdruck bringt, die in einem einzigen Wort nicht wiederzugeben sind, nämlich die Handlung und Fähigkeit, den wahren Wert einer Person oder Sache einzuschätzen, wie in Suura 6:91, und die Handlung und Fähigkeit, einen Sachverhalt so zu steuern, dass er mit anderen in Beziehung gebracht werden kann. "Beurteilung von Wertverhältnissen" könnte meines Erachtens diese feinen Bedeutungsnuancen zusammenfassen. Allah vergibt das Falsche und kann den Wert unserer guten Taten vollkommen einschätzen und beurteilen, ob wir sie öffentlich oder heimlich tun. (Juusuf 'Allii)
150. Wahrlich, diejenigen, die nicht an Allah und
an Seine Gesandten den Imaan verinnerlichen und die einen Unterschied zwischen
Allah und Seinen Gesandten machen wollen,367 und sagen: "Wir
verinnerlichen den Imaan an einige und an andere verinnerlichen wir den Imaan
nicht,"368 und einen Weg dazwischen nehmen wollen.369 367.
Wer in abstrakter Form an Ihm den Imaan verinnerlicht,
jedoch das von Seinen Propheten und Gesandten verkündigte Gesetz ablehnt, oder
wer gewisse Propheten anerkennt, andere hingegen ablehnt. (Darjabaadi) 368.
Das heißt, sie verinnerlichen den Imaan an Allah, aber nicht an Seine Gesandten,
(Samachsari) oder nach einer anderen Interpretation: Sie verinnerlichen den
Imaan an einige der Gesandten und lehnen andere ab. Meines Erachtens ist die
erste dieser beiden Interpretationen vorzuziehen, denn sie umfasst nicht nur
eine Ablehnung einiger Gesandter sondern auch die völlige Ablehnung des
Gedanken, dass Allah durch Seine auserwählten Boten Seinen Willen offenbart
habe. Nach islamischer Vorstellung bedeutet die Ablehnung einiger oder aller
Gesandten Allahs eine fast ebenso große Sünde wie eine Leugnung Allahs selbst.
(Asad) Anmerkung des Überarbeiters: ohne die Propheten anzuerkennen kann man nicht den gesamten Imaan verinnerlichen und ist somit kein Muslim. 369.
Durch solche Unterscheidung versuchen manche Menschen, Allah unabhängig von der
Rechtleitung der Propheten zu suchen, während Allah Selbst uns gelehrt hat,
dass gerade durch Befolgen des prophetischen Beispiels das Heil erlangt werden
kann.(Siddiqi) Die
Juden behaupteten, an ihre eigenen Propheten den Imaan zu verinnerlichen,
lehnten aber das Prophetentum 'Isa,
Allahs Segen und Frieden auf ihm, und Muchammeds, Allahs Segen und Frieden
auf ihm, ab; ebenso blieben die Christen bei ihrer Religion bei 'Isa, Allahs
Segen und Frieden auf ihm, stehen
-und überdies erhoben sie ihn zur Gottheit -, und lehnten den Imaan an Muchammed,
Allahs Segen und Frieden auf ihm, ab. Der Qur’an weist beide Vorstellungen
zurück und betont den Imaan an Allah und an alle Seine Gesandten, ohne zwischen
ihnen einen Unterschied zu machen zwischen dem Imaan an Allah und dem Imaan an
Seine Gesandten, ebenso wenig, wie einen Unterschied zwischen den einzelnen
Gesandten. Auf diese Weise ist die islamische Lehre die Religion, die von Allah
angenommen worden wird, denn sie ist es, die mit der Einheit Allahs
übereinstimmt und die Erfordernisse dieser Einheit gemäß behandelt. (Qutb) Kufr
nimmt verschiedene Formen an. Drei werden hier erwähnt: 1.
Leugnung Allahs und Seiner Offenbarung durch inspirierte Menschen; 2.
eine Art nominaler Imaan an Allahs und Seine Gesandten, der aber unvollständig
und mit Rassendünkel vermischt ist, der keinen Platz für den Imaan an solche
Propheten lässt, die nicht dem eigenen Volk angehören; und 3. ein nominaler Imaan an die universale Offenbarung, der aber so in Dogmen exklusiven Heils eingehüllt ist, dass dies praktisch einer Leugnung von Allahs allumfassender Liebe zu der gesamten Menschheit und allen Geschöpfen gleichkommt. Alle drei laufen auf Kufr hinaus, denn sie leugnen in Wirklichkeit Allahs allumfassende Liebe und Fürsorge. (Juusuf 'Allii)
151. Diese sind die wirklichen
Kaafirs,370 und für die Kaafirs haben Wir erniedrigende
Strafe bereitet. 370. Ihre Bekenntnis zu einigen Propheten unter Ausschluss der anderen bringt ihnen nichts ein, und kein eklektisches Religionssystem führt zum Ziel. Beachte die Betonung des Qur’an auf der Universalität der Offenbarung. (Darjabaadi)
152. Diejenigen aber, die an Allah und an Seine
Gesandten den Imaan verinnerlichen und zwischen keinen von ihnen einen
Unterschied machen,371 die sind es, denen
Wir gewiss ihren vielfachen Lohn geben werden. Und Allah ist verzeihend,
barmherzig.372 371.
Was ihr Prophetentum angeht. (Darjabaadi) Siehe
auch Suura 1. Aja 285 mit Fußnoten. (Anm. d. Übers.) 372.
Allah wird jene Fehler verzeihen, die begangen worden sind, bevor sich die Menschen
dem rechten Imaan zugewandt haben und Er wird ihnen reichlichen und vielfachen
Lohn zuteil werden lassen. (Darjabaadi) Anmerkung
des Überarbeiters: Hier wird klar des es kein Imaan ist nur an ein Teil des Islams den Imaan zu
verinnerlichen. Den das sind die Kaafir, die so etwas
machen. Also somit wird nie ein Christ oder Jude in Dschana eingehen.
Abschnitt 22 153. Die Besitzer der Schrift373
verlangen von dir, dass du ein Buch vom Himmel auf sie herabkommen lässt.374
Doch sie haben bereits von Muusa mehr als dies verlangt,375
indem sie sagten: "Lass uns Allah unverhüllt (von Angesicht zu Angesicht)
sehen!"376 Da ereilte sie der Donnerschlag, weil sie unrecht
gehandelt hatten.377 Dann nahmen sie sich das Kalb (zum Götzen),
nachdem die klaren Beweise zu ihnen gekommen waren.378 Doch Wir
vergaben ihnen selbst dies. Und Wir gaben Muusa eine klare Ermächtigung.379 373.
Wie aus dem Zusammenhang hervorgeht, handelt es sich bei den “Achl Al-Kitab“
hier besonders um die Juden. (Asad) 374.
Nämlich "Zum Beweis deines Prophetentums." Ansonsten kann der Satz
auch folgendermaßen verstanden werden: "Sie fordern dich auf, ihnen ein
(tatsächliches) Buch vom Himmel herab zu bringen. Angesichts der im Qur’an oft
wiederholten Aussage, dass die Juden überzeugt waren, nur an sie könnte die
Offenbarung Allahs gerichtet sein, scheint mir jedoch die Übersetzung "sie
fordern dich auf, für sie ein Buch vom Himmel herabkommen zu lassen," sinnvoller. (Asad) 375.
Dies ist ihre Natur und stellt nichts Neues dar. Ihre Forderung soll den
Propheten nicht verärgern, denn sie ist für sie weder merkwürdig noch seltsam.
Sie hatten von ihren früheren Propheten, Führern und Errettern, an die sie
behaupteten den Imaan verinnerlicht zu haben, noch mehr
gefordert. (Qutb) Die
medinensischen Juden forderten den Propheten, Allahs Segen und Frieden auf ihm,
heraus: "Wir werden dich nicht als Propheten akzeptieren, bis du uns vor
unseren Augen ein geschriebenes Buch vom Himmel herabbringst oder eine
schriftliche Botschaft für jeden von uns, die bestätigt, Muchammed ist Allahs
Gesandter". (Mauduudi) 376.
Ihre Verstandeskräfte waren so weit abgestumpft, dass sie Muusa as
aufforderten, ihnen Gott in einer für ihre Sinne leicht erfassbaren Form zu
zeigen. Sie konnten kaum begreifen, dass die begrenzten Sinne des Menschen
Unbegrenztes und Unendliches nicht erfassen können. Ihr Wunsch entstammte dem
menschlichen Drang, ihren Herrn selbst in Menschengestalt erscheinen sehen zu
wollen. (Siddiqi) 377.
Vergleiche Suura 2:55, wo berichtet wird, wie Blitz und Donner jene blendeten,
die so vermessen waren, Allah von Angesicht zu Angesicht sehen zu wollen, und
Suura 2:51, wo von der Verehrung des goldenen Kalbs die Rede ist. Seitens
des Menschen ist es vermessen, geistige Dinge mit materiellen Maßstäben messen
zu wollen oder zu verlangen, Allah mit seinen materiellen Augen sehen zu
können, während Allah jenseits materieller Formen und unabhängig von Raum und
Zeit ist. (Juusuf 'Allii) 378.
Seit der Berufung Muusa as zum Gesandten Allahs hatten die Kinder Israels
deutliche Zeichen gesehen. Während ihres Auszugs aus Ägypten waren sie Zeugen
gewesen, wie Pharao vor ihren Augen ertrank und zahlreiche andere bedeutsame
Dinge geschahen. Deswegen wussten sie sehr wohl, dass Allah, der Herr der
Welten (nicht etwa irgendein Kalb) sie aus der Tyrannei eine
mächtigen Herrschers wie Pharao befreit hatte. Dennoch waren sie von den
fremden Göttern so bezaubert, dass sie Allah verließen und das Goldene Kalb
verehrten. (Mauduudi) 379.
Die von Allah gegebene Ermächtigung ist wahrscheinlich die, die auf den Tafeln
verzeichnet war. Allahs Gesetz ist Vollmacht von Allah, und jedes andere
Gesetz, das nicht von Allah ist, besitzt keine von Ihm erlassene Ermächtigung
und hat somit keine Einwirkung auf die Herzen der Menschen. Sie verwerfen alle
Gesetze und Rechtssysteme, die von Menschen selbst gemacht sind. (Qutb) Weder Allahs vielfältige Gnadengeschenke, noch die von Ihm verliehene Autorität veranlassten das Volk, von seiner Arroganz und Überheblichkeit abzustehen. (Darjabaadi)
154. Und Wir ließen über ihnen den Berg (Sinai)
emporragen (als Wir) mit ihnen einen Bund (schlossen), und Wir sprachen zu
ihnen: "Tretet ein durch das Tor, indem ihr euch (demütig) niederwerft!"
Und wir sprachen zu ihnen: „übertretet nicht das Sabbat Gebot!"380
Und Wir schlossen mit ihnen einen festen Bund. 380.
Dieser Aja gibt einen Rückblick auf drei hervortretende Beispiele des
Ungehorsams der Kinder Israel, die bereits in Suura 2 erwähnt wurden: 1.
der nicht von ihnen eingehaltene Bund am Fuße des über ihnen emporragenden
Berges Sinai (Suura 2:63); 2. ihre Arroganz beim Betreten der Stadt, wo ihnen
Demut geboten war. (Suura 2:58); und 3. ihre Übertretung des Sabbat (Suura 2:65). (Juusuf 'Allii)
155. (Sie haben sich Allahs Zorn zugezogen) weil
sie ihren Bund gelöst381 und nicht an die Zeichen Allahs den Imaan verinnerlicht
haben, und weil sie die Propheten ohne Recht getötet382 und gesagt haben:
"Unsere Herzen sind unempfindlich."383 Doch nein, Allah
hat es wegen ihres Kufrs versiegelt384 und sie verinnerlichten nicht
den Imaan, außer einigen wenigen (von ihnen)., 381.
In diesem Aja und den folgenden werden die Verfehlungen aufgezählt, derer
sich die Juden schuldig gemacht haben. Vor diesem Hintergrund ist es zu
verstehen, wenn gesagt wird: "Sie haben sich Allahs Zorn zugezogen".
(Juusuf 'Allii)
Dass sie für diese Verfehlungen bestraft
werden, kommt in Aja 160 zum Ausdruck. (Asad) 382.
Vergleiche Suura 3:21 und zugehörige Fußnoten. (Juusuf 'Allii) 383.
Wörtlich: "Unsere Herzen sind verhüllt" (Anm. d. Übers.) Vergleiche
Suura 2:88 und Fußnote, wo der Sachverhalt ausführlich erklärt ist. Beachte
die Steigerung in dieser Erörterung. Ihre Verfehlungen waren 1.
ihr Verrat an dem Bund; 2.
dass sie Allahs Rechtleitung zurückwiesen, so wie sie ihnen durch Zeichen
verdeutlicht wurde; 3.
dass sie Allahs Gesandte töteten und damit eine doppelte Schuld auf sich luden
nämlich die des Mordes und die der bewussten Ablehnung des Gesetzes Allahs; 4.
dass sie sie in ihrer Arroganz für sich selbst genug hielten, womit sie ihre
Herzen endgültig vor Allahs Gnade verschlossen. Danach beginnt eine weitere
Serie von Verfehlungen von einem anderen Gesichtspunkt her: 1.
dass sie die Religion ablehnten; 2.
dass sie falsche Anschuldigungen gegen eine ehrwürdige Frau wie Marjam
hervorbrachten, die von Allah auserwählt worden war. Isas as Mutter zu sein; 3.
dass sie damit prahlten, Isa as getötet zu haben, während sie (Produkten) ihrer
eigenen Phantasie zum Opfer gefallen waren; 4.
dass sie Menschen von Allahs Weg fernhielten; und 5.
dass sie mit Wucher und Betrug ihre Mitmenschen unterdrückten. (Juusuf 'Allii)
384.
Die Versiegelung ihrer Herzen ist eine notwendige Folge ihrer eigenen
Handlungsweise -ihrer bewussten und andauernden Ablehnung der Wahrheit Allahs.
(Darjabaadi) Ihre Herzen sind nicht von Natur aus versiegelt, sondern ihr Kufr führt dazu, dass Allah sie versiegelt. Dadurch werden sie hart und trocken, so dass sie den Imaan in ihren Herzen nicht wahrnehmen könnten. Die wenigen, die zum Imaan gefunden und ihm ihre Herzen geöffnet haben, haben es verdient, dass ihre Herzen nicht versiegelt wurden. Sie wurden von Allah rechtgeleitet und ihnen ist die wohltuende Wirkung des Imaans geschenkt worden. (Qutb)
156. Und weil sie nicht (an 'Isa) den Imaan verinnerlicht haben385 und wegen ihrer Worte von
ungeheurer Schändlichkeit über Marjam,386 385.
In diesem speziellen Fall bedeutet Kufr die Ablehnung 'Isas, Allahs Segen und
Frieden auf ihm. (Siddiqi) 386.
Die falsche Anschuldigung gegen Marjam besagte, dass sie unkeusch gewesen sei.
Vergleiche diesbezüglich Suura 19:27-28. Eine solche Anschuldigung ist an sich
schlimm genug jeder Frau gegenüber; gegenüber Marjam, der Mutter Isas as, war
sie gleichzeitig eine Verhöhnung Allahs Selbst. Der Islam schützt besonders den
guten Ruf der Frau. Wer schlecht über eine Frau redet, muss seine Anschuldigung
durch vier Zeugen stützen, und wenn er das nicht kann, soll er mit achtzig
Schlägen bestraft werden und nie wieder als Zeuge auftreten dürfen: Suura
1.4:4. (Juusuf 'Allii) Als
"Isa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, anfing, Menschen zu Allahs Weg einzuladen und die Juden für ihre
Übeltaten zu tadeln und die Heuchelei ihrer Gelehrten anzuprangern und die
ganze Gemeinschaft vor den Folgen moralischer Entartung zu warnen, wandten sie
sich gegen ihn. Statt seine Botschaft anzunehmen und für Allahs Sache Opfer zu
bringen und ihren Lebenswandel zu bessern, griffen sie zu allerlei schmutzigen
Tricks, um die Stimme der Wahrheit zum Schweigen zu bringen. In diesem
Zusammenhang äußerten sie diese absurde Anschuldigung. (Mauduudi) Diese Verleumdung kommt besonders in dem mittelalterlichen jüdischen Buch "Toledot Jeshu" zum Ausdruck und wird auch im Talmud angedeutet. (Darjabaadi)
157. Und weil sie sagten: "Wir haben den Masiich
'Isa, den Sohn Marjams, den Gesandten Allahs getötet".387
Doch sie haben ihn weder getötet noch gekreuzigt, sondern (durch Allahs
Fügung) musste es ihnen so erscheinen.388 Und wahrlich, diejenigen,
die darüber uneinig sind, sind im Zweifel über ihn.389 Sie besitzen
kein Wissen, sondern folgen nur (ihren) Vermutungen.390 Und sie
haben ihn mit Gewissheit nicht getötet. 387.
Nicht nur die Christen haben die Juden für Isas as Tod verantwortlich gemacht,
sondern die Juden selbst haben dieses furchtbare Geständnis abgelegt. (Siddiqi) Die
Eigenschaft des Kufrs wird immer wieder erwähnt, wenn von verwerflichen
Handlungen die Rede ist. Sie wird erwähnt bei der unrechtmäßigen Tötung von
Propheten -kein Prophet könnte jemals rechtmäßig getötet werden, es wird nur
ein Tatbestand festgestellt -wie auch bei ihrer Anschuldigung gegen die keusche
Marjam. (Qutb) Es
gibt verschiedene Grunde, warum die Juden Isa as in
diesem Zusammenhang als Gesandten Allahs bezeichneten. Einer davon ist, dass
sie moralisch so degeneriert waren, dass sie gar noch stolz darauf waren, ihre
Hände mit dem Blut eines Gesandten Allahs besudelt zu haben, und damit
prahlten, bereits vor Isa as viele Propheten gequält und getötet zu haben. Sie
taten dies also bewusst und in Kenntnis der Tatsache, dass Isa as Allahs
Gesandter war. Eine andere Interpretation besagt, der Titel "der Gesandte
Allahs" sei hier eingefügt worden, um den wahren Status Isas as zu betonen
und den beiden Extremansichten der Juden und Christen gegenüberzustellen.
(Siddiqi) Auch
wenn es sehr merkwürdig erscheint, dass ein Volk eine Person tötet, die sie als
Gesandten Allahs kennt und anerkennt, kommt dies doch immer wieder vor. Die
Angehörigen eines solchen Volkes können und wollen nicht ertragen, dass diese
Person ihre bösen Handlungen kritisiert und Unerlaubtes verbietet. Selbst wenn
solche Personen Gesandte Allahs waren, sind sie immer von ihrem eigenen Volk
verfolgt, gefangen gehalten und getötet worden. (Mauduudi) 388.
Allah, der alles tun kann, was immer Er will, erhob Isa as zu sich und rettete
ihn vor der Kreuzigung, und derjenige, der später gekreuzigt wurde, wurde auf
die eine oder andere Weise für Isa as gehalten. (Mauduudi) Das
Ende des irdischen Leben Isas as ist ebenso in Mysterien gehüllt wie seine
Geburt und der größte Teil seines persönlichen Lebens mit Ausnahme von drei
Jahren seines Wirkens. Eine Erörterung der vielfältigen Zweifel und Vermutungen
früh-christlicher Sekten und muslimischer Theologen fuhrt zu nichts. In den
christlichen Großkirchen gehört es zu den dogmatischen Hauptaussagen, Isa as
sei gekreuzigt, gestorben und begraben worden und am dritten Tage auferstanden,
und zwar körperlich mit den vorhandenen Wunden, sei an verschiedenen Stellen
herumgewandert und habe mit seinen Jüngern gesprochen und gegessen, woraufhin
er leiblich in den Himmel aufgenommen worden sei. Dies ist notwendig für die
theologische Lehre des Blutopfers und der stellvertretenden Sühne für die
Sünden, die vom Islam abgelehnt wird. Einige der frühen Christen glaubten nicht
daran, dass Isa as am Kreuz gestorben sei. Die Basilidaner beispielsweise
glaubten, er sei durch jemanden anderen ersetzt worden. Die Docetäer nahmen an,
Isa as habe niemals eine wirklichen physischen oder materiellen Körper gehabt,
lediglich einen Scheinkörper, und dass seine Kreuzigung nicht wirklich
stattgefunden habe, sondern nur scheinbar. Das Macionitische Evangelium besagt,
Isa as sei nicht geboren, sondern lediglich in Menschengestalt erschienen. Der
Qur’an lehrt, dass Isa as von den Juden nicht getötet und nicht gekreuzigt
wurde, ungeachtet einiger scheinbarer Umstände, die in den Augen seiner Feinde
diese Illusion verursachten; dass Erörterungen, Zweifel und Vermutungen über
diese Angelegenheit zwecklos sind; und dass er zu Allah erhöht wurde
(vergleiche nächster Aja). (Juusuf 'Allii) Unter
den Muslimen kursieren zahlreiche Legenden, die schildern, wie Allah im letzten
Augenblick Isa as durch eine Person ersetzte, die ihm äußerlich stark ähnelte
(einige Berichte besagen, dies sei Judas gewesen) und an seiner Stelle
gekreuzigt wurde. Keine dieser Legenden ist jedoch im Qur’an oder in
authentischen Überlieferungen belegt, und die in diesem Zusammenhang von
klassischen Kommentatoren übermittelten Geschichten müssen insgesamt
zuruckgewiesen werden. Sie bilden lediglich Versuche, die Aussage des Qur’ans,
Isa as sei nicht gekreuzigt worden, mit der dramatischen Schilderung seiner
Kreuzigung in den Evangelien zu "harmonisieren". Die
Kreuzigungsgeschichte an sich ist im Qur’an kurz und bündig erklärt mit den
Worten "wa-Iakin schubbiha lahum" ("es erschien ihnen nur so), die
besagen, dass im Laufe der Zeit, lange nach Isas as Wirken, irgendwie eine
Legende entstanden ist (möglicherweise unter dem Einfluss Mithraistischer
Vorstellungen), er sei gestorben, um für die "Ursünde" zu sühnen, mit
der die Menschheit belastet sein soll; und diese Legende breitete sich so unter
den späteren Anhängern Isa as aus, dass selbst seine Feinde anfingen, daran zu
glauben, wenn auch in einem herabwürdigenden Sinne (Kreuzigung war zu jenen
Zeiten eine entwürdigende Form der Todesstrafe, die nur den verachtetesten
Verbrechern vorbehalten war). (Asad) Die
Mehrheit der Ausleger ist der Ansicht, dass eine andere, Isa as ähnliche Person
an seiner Stelle gekreuzigt wurde. (Anm. des Übers.) 389.
Sie haben kein wahres, historisches Wissen. (Darjabaadi) Sowohl
Juden als auch Christen tappen im Dunkeln. Die Juden stellen die Behauptung
auf, sie hätten Isa as gekreuzigt und gestehen ihm die Eigenschaft, Gesandter
Allahs zu sein, nur zu, um seiner zu spotten. Und die Christen sagen, er sei
gekreuzigt und begraben worden, am dritten Tage aber auferstanden. Die
Geschichte schweigt über die Geburt des Masiich und sein Lebensende, als ob es
nicht ihre Sache wäre. Weder die einen noch die anderen sprechen von etwas,
worüber sie Gewissheit haben, sondern ziehen übereilte Schlussfolgerungen aus
unterschiedlichen Überlieferungen. Die vier Evangelien, in denen die Geschichte
von Isa as Gefangennahme, Kreuzigung, seines Todes, seiner Grablegung und
seiner Auferstehung überliefert ist, sind alle geraume Zeit nach Isa as Leben
verfasst worden. In dieser Zeit waren seine Religion und seine Anhänger
unterdrückt, und es war schwierig, in solch einem Klima der Geheimhaltung, der
Angst und der Verfolgung, die ursprüngliche Geschichte zu rekonstruieren.
(Qutb) Außer
den vier "kanonischen" gibt es zahlreiche weitere Evangelien, die
aber nach dem Konzil von Nicäa 325 chr. auf den Index gesetzt wurden. Die
meisten wurden daraufhin vernichtet. Dennoch tauchen bis heute immer wieder
Fragmente aus solchen frühen Überlieferungen auf, die als Apokryphen
(verborgene Schriften) bezeichnet werden. Unter den neueren Apokryphen-Funden
wird von einigen Theologen dem 1945 gefundenen Thomasevangelium die relativ
größte Bedeutung beigemessen. In diesen Texten erscheint Isa as ausschließlich
als Lehrer um wird nicht als Massich bezeichnet (Anm. d. Übers.) 390. Die Juden waren sich selbst nicht sicher, ob sie Isa as am Kreuz getötet hatten. Sie konnten deswegen keine eindeutige Aussage machen und hegten Zweifel und hatten widersprüchliche Ansichten diesbezüglich. (Siddiqi)
158. Doch nein! Allah hat ihn zu Sich erhoben.391 Und
Allah ist allmächtig, weise. 391.
Der Qur’an gibt keine andere Erklärung über diese Tatsache als die in Suura
3:55, wo ebenso wenig Einzelheiten über Todesart und -zeitpunkt erläutert
werden. (Qutb) Über
die genaue Interpretation dieses Ajas bestehen verschiedene Ansichten.
Wörtlich ist gesagt: die Juden töteten Isa as nicht, sondern Allahs erhob ihn
zu Sich Selbst. Eine Ansicht besagt, Isa as sei nicht eines normalen
menschlichen Todes gestorben, sondern lebe leiblich im Himmel weiter; eine
weitere Auffassung ist die, er sei zwar gestorben (siehe Suura 5:120), aber nicht
zu dem Zeitpunkt, an dem er gekreuzigt wurde, und die "Erhebung zu
Allah" bedeute, dass er von Allah als Sein Gesandter geehrt wurde, statt
als Übeltäter verachtet zu werden, wie es die Juden beabsichtigt hatten. Siehe
auch nächster Aja. Das gleiche Wort “rafa'a“ (erheben) im Sinne von Ehre
erweisen ist in Suura 44:4 im Zusammenhang mit dem Propheten Muchammed, Allahs
Segen und Frieden auf ihm, gebraucht worden. (Juusuf 'Allii) Im
Qur’an gibt es nirgends einen Hinweis darauf, dass Allah Isa as zu Lebzeiten
leiblich in den Himmel aufgenommen habe. Der Ausdruck "Allah erhob ihn zu
Sich Selbst'" in diesem Aja bezeichnet die Erhebung Isa as in den
Bereich von Allahs besonderer Gnade, eine Segnung, an der alle Propheten
teilhaben, wie etwa auch Idris as, der in Suura 19:57 erwähnt wird. (Asad) Auf diese Weise machte Allah alle schändlichen Pläne der Feinde zunichte. (Darjabaadi)
159, Es gibt niemand unter den Besitzern der Schrift, der nicht
gewiss an ihn den Imaan verinnerlichen wird vor seinem Tod.392 Und am
Tag der Auferstehung wird er Zeuge gegen sie sein.393 392.
Frühere Kommentatoren waren uneinig darüber, was "vor seinem Tod" in
diesem Aja bedeutet. Einige übersetzen: "Es gibt keinen unter den
Schriftbesitzern, der nicht vor seinem -nämlich Isas, Allahs Segen und Frieden
auf ihm, -Tod an Isa den Imaan verinnerlicht, "gemäß einer
Überlieferung, dass er kurz vor dem Jüngsten Tage noch einmal kommen wird. Eine
andere Interpretation ist: "Es gibt keinen unter den Schriftbesitzern, der
nicht vor seinem -nämlich vor seinem eigenen -Tod an Isa den Imaan
verinnerlicht, "nach der Darstellung, dass der Mensch auf der Schwelle des
eigenen Todes die Wahrheit erkennt, was ihm aber nicht mehr nützen kann.
Persönlich neige ich zu letzterer Ansicht. (Qutb) Im
Augenblick ihres Todes erkennen alle Juden und Christen, dass Isa as wirklich
Allahs Gesandter war und weder ein Hochstapler noch "Allahs Sohn".
(Asad) 393.
Vergleiche Suura 4:41. (Juusuf Allii) Das
bedeutet, dass Isa as Zeuge gegen die Juden und Christen ist, dass sie ihn ablehnten, nicht achteten und seine Botschaft
entstellten. Das Pronomen "bihi" بِهِ kann sich auch auf den Propheten
Muchammed, Allahs Segen und Frieden auf ihm, beziehen, den letzen Gesandten
Allahs, der Zeuge der Fehlhandlungen der Juden und Christen ist. (Siddiqi) Vergleiche auch Suura 5:116-117. (Mauduudi)
160, Und wegen des Unrechts, das von denjenigen begangen wurde,
die Juden waren, haben Wir ihnen Gutes verboten,394
das ihnen (vordem) erlaubt war, und weil sie viele vom Pfad Allahs abgehalten
haben,395 394.
Vergleiche Suura 6: 146. Das rituelle Gesetz der Juden verbot das Essen von
Kamelfleisch, Kaninchen und Hasen (Lev. 11: 4-6) sowie das Fett von Rindern,
Schafen und Ziegen (Lev. 7:23) und war auch in anderer Hinsicht sehr streng. (Juusuf
'Allii) In
diesem Zusammenhang kann "harrama 'alayhim" حَرَّمْنَا عَلَيْهِمْ auch bedeuten "Wir
versagten ihnen", und dies bezieht sich dann auf ihr sündhaftes Verhalten
in einer Zeit, in der die Thora bereits ihre endgültige Form erhalten hatte. Es
geht dann darum, dass den Juden Jahrhunderte lang die “guten Dinge des
Lebens" versagt blieben, die andere Völker genießen -mit anderen Worten,
um die Demütigungen und Leiden, denen die Juden im Laufe ihrer Geschichte
ausgesetzt waren, besonders nach der Zeit Isa as. (Asad) 395.
Das Verb "schedda" und das davon hergeleitete Nomen "Sched" kann sowohl
transitiv als auch intransitiv gebraucht werden. Im ersteren Fall muss der Satz
übersetzt werden: "weil sie viele (andere) vom Pfad Allahs abgehalten
haben"; im letzteren Fall "weil sie sich (so) oft von Allahs Weg
abgewandt haben", Da der Qur’an so oft den ständigen Ungehorsam der Kinder Israels betont -wozu das Alte Testament genügend Beweismaterial liefen -ziehe ich letztere Leseweise vor. (Asad)
161. Und weil sie Zinsen genommen haben, obwohl es
ihnen bereits verboten worden war,396 und weil sie den Besitz der
Menschen auf unerlaubte Art verschlungen haben,397 haben wir für
die Kaafirs unter ihnen eine schmerzliche Strafe bereitet.398 396.
"Wenn du Geld verleihst an einen aus meinem Volk, an einen Armen neben
dir, so sollst du nicht wie ein Wucherer handeln; du sollst keinerlei Zinsen
von ihm nehmen." (Ex. 22:24) "Wenn dein Bruder neben dir verarmt und
nicht mehr bestehen kann, so sollst du dich seiner annehmen wie eines Fremdlings
oder Beisassen, dass er neben dir leben könne; und du sollst nicht Zinsen von
ihm nehmen noch Aufschlag, sondern sollst dich vor deinem Gott fürchten, dass
dein Bruder neben dir leben könne. Denn du sollst ihm dein Geld nicht auf
Zinsen leihen, noch Speise gegen Aufschlag." (Lev. 25:35-37). (Darjabaadi) 397.
Nämlich mit Methoden, die nach dem Gesetz Muusa, Allahs Segen und Frieden auf
ihm, verboten sind. (Darjabaadi) 398. Dies bezieht sich möglicherweise auf das, was schon in Suura 4:146 erwähnt wurde, nämlich auf die Speiseangebote. Es bezieht sich außerdem wahrscheinlich auf die Restriktionen und Schwierigkeiten, die in den von jüdischen Gelehrten verfassten Rechtsbüchern aufgeführt sind, Es ist immer eine Strafe, wenn der Lebensraum eines Volkes eingeengt wird. (Mauduudi)
162. Doch jene unter ihnen, die ein tief begründetes Wissen haben399
und die dir(als Offenbarung) herabgesandt wurde und was vor dir herabgesandt
worden ist,400 und (ganz besonders jene) die stets das Gebet
verrichten401 und Saka402 geben und an Allah den Imaan
verinnerlichen und and den Jüngsten Tag.403 Diejenigen sind es,
denen Wir einen gewaltigen Lohn geben werden. 399,
Nämlich von denjenigen Juden, die sich nicht mit äußerlicher Gesetzerfüllung zufrieden
geben, sondern versuchen, zum' tieferen Sinn der Religion vorzudringen. (Asad) Das
tief begründete Wissen führen zum Imaan an die gesamte Religion. Und beide
führen dazu, die Religionen zu einer einzigen zu machen, die vom Einzigen Gott
stammt. (Qutb) 400,
Die gelehrten Juden kennen das wahre Wesen der Schriften Allahs, wenn sie
gerecht sind und vorurteilsfrei und ohne Verstocktheit und Egoismus und nicht
blind ihren Vorfahren folgen, sondern bereitwillig die in den offenbarten
Schriften enthaltenen Wahrheit aufnehmen. Auf diese Weise sind sie leicht in
der Lage zu erkennen, dass die Lehren des Qur’an dieselben sind wie die, die
ihre eigenen Propheten verkündet haben, und können daraufhin aufrichtig an
beide den Imaan verinnerlichen. (Mauduudi) 40I.
Nach Sibawayh und anderen Grammatikern der Basraer Schule ist der Gebrauch des
Akkusativs in dem Ausdruck Al-Muqimin As-Salah ("die sich regelmäßig dem
Gesetz widmen") ein grammatisches Mittel zur Betonung der besonders
lobenswerten Eigenschaft des Gebets und derer, die sich ihm widmen (vergleiche
auch Samachsari und Rasi); deshalb kann übersetzt werden: "diejenigen,
die sich (besonders) regelmäßig dem Gebet widmen". (Asad) 402.
Siehe Suura 2 Aja 43 und Fußnote 58 dazu. (Anm. d. Übers.) 403. Unter den Gefährten des Propheten gab es solche, die zuvor Juden gewesen waren, dann aber zum Islam eingeladen wurden und bereitwillig Muchammed als den letzten Propheten annahmen und dem von ihm verkündeten Gesetz folgten. Unter ihnen war beispielsweise 'Abdullah ibn Salim. (Siddiqi)
Abschnitt 23
163. Wahrlich, Wir haben dir Eingebung gewährt, wie Wir Nuuch und
den Propheten nach ihm Eingebung gewährten404 und wie Wir Eingebung
gewährten Ibrahim und Ismael und Isaaq405 und Jaquub und ihren
Nachkommen406 und "Isa und Eyjuub und Juunus und Haruun und Suleymaan407
und Wir gaben Daawuud Psalmbücher.408 404.
An erster Stellt: steht eine allgemeine Aussage: dass viele Gesandte
Offenbarungen erhalten haben, und dass diese Offenbarung von der gleichen Art
waren wie die, die unser Prophet Muchammed, Allahs Segen und Frieden auf ihm,
erhalten hat, denn Allahs Botschaft ist eine einzige. Beachte, dass hier von
Offenbarung gesprochen wird, nicht notwendigerweise von einem Buch. Jedes Volk
oder jede Menschengruppe hatte einen Propheten: vergleiche Suura 10:47.
Einige dieser Gesandten sind im Qur’an namentlich erwähnt, einige nicht: Suura
4: 164. (Juusuf ’Allii) Gleichheit
besteht im Wesen und Ursprung aller Offenbarungen Allahs, nicht in ihrem
Umfang. (Darjabaadi) Hier
wird betont, dass der Prophet Muchammed, Allahs Segen und Frieden auf ihm,
nicht mit einer Neuheit kam und nicht für sich in Anspruch nahm, etwas zum
ersten Mal zu präsentieren, dass er in der Tat Rechtleitung aus derselben
Quelle des Wissens erhalten tat wie alle Propheten vor ihm und dieselbe
Wahrheit verkündete, die immer und überall von allen Propheten verkündet worden
war. (Mauduudi) 405
Vergleiche Suura 2: 136 und Suura 3:84. Die hier gegebene Aufzählung umfasst
drei Gruppen: 1.
die erste Gruppe, Ibraahiims, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Familie, entspricht genau
Suura 2:136 und Suura
3:84. 2.
Dann folgen die tragischen Gestalten von ’Isa as, Eyjuub as und Juunus as, deren
Sendung vom irdischen Standpunkt her erfolglos war. 3.
Schließlich sind da Haruun as, der Priester, und Suleymaan as, der König, beide
große Gestalten, aber jeweils einer anderen hervorragenden Persönlichkeit
beigeordnet, nämlich Muusa as (der im nächsten Aja erwähnt wird) und Daawuud,
Allahs Segen und Frieden auf ihm, (am Ende dieses Ajas). Daawuuds Aufzeichnung war der Psalter, der immer
noch existiert, wenn auch seine gegenwärtige Form nicht der ursprünglichen
entspricht und zweifellos Psalmen darunter sind, die nicht von Daawuud, Allahs
Segen und Frieden auf ihm,
geschrieben worden sind. Doch die Sammlung enthält viel Poesie von hohem
Standard. (Juusuf 'Allii) 406.
Das heißt die Propheten in den Stämmen der Kinder Israel (Darjabaadi) 407.
Als Antwort auf die Forderung der Götzendiener, Allah solle die Offenbarung auf
den Propheten herabkomme, sagt der Qur’an, dass die Offenbarung nicht etwas
Neues ist, sondern dass viele Propheten vor Muchammed sie in der gleichen unsichtbaren
Form empfangen haben wie er. Da es sich um eine besondere Art geistiger
Erfahrung handelt, die nur Propheten und Gesandte wahrnehmen, ist sie nicht mit
gewöhnlichen Menschen teilbar. (Siddiqi) 408.
"Sabur" زَبُور ohne den bestimmten Artikel bedeutet "eine Schrift oder ein Buch,
ein göttliches Buch, das nur schwer zugänglich ist." (Darjabaadi) Obwohl es in den heute in der Bibel vorhandenen Psa1men Hinzufügungen gibt, kann man beim gründlichen Studium Allahs Offenbarung erkennen. Das gleiche gilt für die Sprüche Suleymaans as und das Buch Eyjuub. Abgesehen davon handelt es sich beim größten Teil der siebzehn Prophetenbücher im Alten Testament offensichtlich um echte Offenbarung, besonders die Bücher Joschua, Jeremia, Ezekiel und Arnos, die zahlreiche Abschnitte enthalten, in denen die Größe der Offenbarungen Allahs gezeigt wird. Ihre hohen moralischen Lehren, ihr Kampf gegen die Götzendienerei und ihre festen Argumente beweisen Allahs Einheit, und ihre Kritik an der Entartung der Kinder Israel zeigt, dass sie ebenso wie die Predigten ’Isas as im Neuen Testament und der Qur’an von der Einen Quelle herstammen. (Mauduudi)
164. Von einigen Gesandten haben Wir dir bereits früher berichtet
und von einigen haben Wir dir nicht berichtet409, und zu Muusa
sprach Allah unmittelbar.410 409.
Einige Propheten sind im Qur’an namentlich erwähnt, andere nicht. (Darjabaadi) 410.
Allah sprach zu Muusa as auf dem Berg Sinai durch eine Wolke, vergleiche Exod.
35:5. Daher erhielt Muusa as in der islamischen Theologie den Beinamen
Kalim-ullah: der, mit dem Allah gesprochen hat. (Juusuf Allii) Alle
diese Propheten haben die Offenbarung von Allah und nicht aus sich selbst
erhalten. Dass Allah mit Muusa as gesprochen hat, ist eine Art von Offenbarung.
Niemand weiß genau, wie das vorging, denn der Qur’an als die einzige richtige
Quelle, an der kein Zweifel besteht, gibt diesbezüglich keine Details. Wir
wissen nur, dass es ein Gespräch war. Aber welcher Natur war es? Wie kam es
zustande? Und mit welchem Wahrnehmungssinn hat Muusa as es aufgenommen? Dies
alles gehört zum Verborgenen, von dem uns der Qur’an nichts erzählt. Alle
Aussagen hierüber, die über das im Qur’an gesagte hinausgingen, wären nur
Erzählungen ohne Beweise. (Qutb) Von
den verschiedenen Wegen der Offenbarung sind drei besonders bekannt: durch
Engel, durch Kommunikation hinter einem Schleier himmlischen Lichts, und
direkte Kommunikation mit dem Gesandten. Da Muusa as auf diesem letzteren Wege
seine Offenbarung erhielt, wird dies hier gesondert aufgeführt. Vergleiche Exodus 33: 11: "Der Herr aber redete mit Mose von Angesicht zu Angesicht, wie ein Mann mit seinem Freund redet." (Mauduudi)
165. Gesandte (die) als Verkünder und als Warner (gekommen sind),411
damit die Menschen keine Entschuldigung haben vor Allah nach (dem Auftreten
der) Gesandten.412 Und Allah ist allmächtig, weise 411.
Jeder Gesandte verkündet Allahs Güte gegenüber den Rechtschaffenden und
Vergebung für alle, die umkehren (frohe Verkündigung), und Allahs Zorn für
alle, die die Religion ablehnen und ungerecht sind (Warnung). Ihre Warnung geht
der Frohen Botschaft voran und ergänzt sie. Niemand kann sagen, er oder sie
hätte nichts davon gewusst. (Juusuf ’Allii) 412.
Wenn der Verstand, den Allah den Menschen gegeben hat, alleine genügte, um den
rechten Weg zu finden und Wohlergehen im Diesseits und im Jenseits zu
erlangen, dann hätte Allah es diesem Verstand überlassen, die Zeichen der
Rechtleitung und die Eingebungen der Religion selbst zu suchen. Der Mensch hätte
dann die Anordnungen für die Lebensführung selbst setzen können, um aufrichtig
zu leben. Allah hätte dann nicht über Generationen hin Gesandte zu schicken
brauchen. Und Allah hätte nicht die von den Gesandten übermittelte
Botschaften, als Beweismittel gegen Seine Diener benützt. Allah weiß, dass der
Verstand, den Er den Menschen gab, ein Instrument ist, das allein nicht
imstande ist, zum rechten Weg zu gelangen, ohne Lenkung und Hilfe durch
Anweisungen. Welche Aufgabe hat dann aber der menschliche Verstand und welche
Rolle spielt er in der Frage der Religion, der Rechtleitung und der Frage der
Lebensgesetze und ihrer Ordnung? Die
Aufgabe des Verstandes ist es, die Botschaft zu erhalten und sie zu verstehen.
Der Gesandte seinerseits hat die Aufgabe, Allahs Anweisungen den Menschen zu
übermitteln und sie zu verdeutlichen. Der Islam ist die Religion der Vernunft,
denn er spricht in allen Angelegenheiten und Verordnungen den Verstand an,
anstatt ihn mit übernatürlichen Dingen, die nur zum blinden Gehorsam führen, zu
vergewaltigen. Er fordert ihn auf, über die Zeichen der Rechtleitung und der
Einsicht in sich selbst und in seiner Umwelt nachzudenken und darüber, wie
Allahs Wahrheit sich in den Dingen des Daseins, des Menschen und der übrigen
Schöpfung manifestiert hat, oder aber auch in den Geboten und Verboten Seines
Gesetzes. Und derjenige den die Botschaft erreicht hat, hat die Anordnung zu
befolgen und zu gehorchen, sobald er deren Sinn verstanden hat. All dies bedeutet keine Abwertung des menschlichen Verstandes und seiner Rolle im Leben. Er hat genügend großen Spielraum, die Bestimmungen auf neu hinzukommende Situationen anzuwenden. (Qutb)
166. Allah aber bezeugt, dass Er das, was Er dir offenbart hat,
mit Seinem Wissen herabgesandt hat,413 Und
(auch) die Engel bezeugen es. Und Allah genügt als Zeuge.414 413.
Obgleich die Offenbarung in menschliche Sprache gefasst und durch die
Persönlichkeit des Offenbarungsempfängers geprägt ist, entstammt sie dem
Wissen Allahs und enthält deshalb oft mehr Sinn, als dem Offenbarungsempfänger
selbst bewusst ist. (Juusuf ’Allii) 414. Dies bezieht sich auf die Leute, die -wie in den Ajas zuvor erwähnt -das Prophetentum Muchammeds, Allahs Segen und Frieden auf ihm, leugneten und kein Zeugnis dafür ablegen wollten trotz seiner Klarheit. Anstatt den Imaan zu verinnerlichen und zu bezeugen, gingen sie zu Verleumdung und Überheblichkeit über. (Al-Manar)
167. Wahrlich diejenigen, die Kaafir sind und (andere) vom Pfad
Allahs abhalten, sind fürwahr weit in die Irre gegangen.415 415. Das heißt, wer trotz deutlicher Argumente für das Gegenteil auf seinem Kufr beharrt. Ihre Position in dieser Welt ist die herumirrender, verlorener Seelen. (Darjabaadi)
168. Wahrlich, diejenigen, die nicht den Imaan verinnerlichten und Unrecht
taten,416 -Allah wird ihnen nicht verzeihen und Er wird sie nicht
auf' den Weg leiten, 417 416.
Die Unrecht taten, indem sie die Wahrheit ablehnten und andere Menschen von
Allahs Wegen fernhielten. (Siddiqi) Kufr
ist seinem Wesen nach Ungerechtigkeit: Verdunkelung der Wahrheit,
Ungerechtigkeit gegen sich selbst und anderer Menschen. (Qutb) 417. Vergleiche Psalm 81:12-13: "Aber Mein Volk gehorcht nicht Meiner Stimme, und Israel will Mich nicht. So hab Ich sie dahingegeben in die Verstocktheit ihres Herzens, dass sie wandeln nach eigenem Rat." (Darjabaadi)
169. Außer auf den Weg der Hölle. Dort sollen sie ewig verweilen.
Und dies ist für Allah ein Leichtes.418 418. Dies ist Allah leicht: nicht in dem Sinne, dass Allah Vergnügen daran findet, wenn eines Seiner Geschöpfe vom rechten Weg abirrt. Das Gegenteil ist der Fall: denn Allahs Barmherzigkeit anerkennt alles Gute in uns (vergleiche Suura 4:147 und Fußnote). Leicht ist in dem Sinne zu verstehen, dass Allah erhaben ist an Wissen und Macht: sollten sich irgendwelche rebellischen Mächte der Illusion hingeben, sie könnten der Strafe entgehen, dann irren sie sich grundlegend. Die Strafe folgt auf dem Fuß. Von einer Schwierigkeit oder Anstrengung Allahs kann keine Rede sein. (Juusuf 'Allii)
170. O ihr Menschen419, zu euch ist bereits der
Gesandte gekommen mit der Wahrheit von eurem Herrn, darum verinnerlicht den
Imaan (an ihn), dass ist am besten für euch.420 Und wenn ihr nicht
den Imaan verinnerlicht, so gehört Allah wahrlich was in den Himmeln und auf
Erden ist.421 Und Allah ist wissend, weise.422 419.
Beachte die Universalität der Sendung des Propheten. Die Anrede richtet sich an
die Menschheit allgemein, nicht an das arabische Volk. (Darjabaadi) 420.
Es kann nicht oft genug gesagt werden: Islam ist völlig zu unserem eigenen
Guten, sowohl im materiellen als auch im geistigen Leben. (Darjabaadi) Allahs
Fürsorge für uns dient unserem eigenen Wohl, nicht irgendeinem Vorteil, den Er
davon haben könnte. Denn Er ist von allen Dingen unabhängig, und jedes Geschöpf
verkündet Sein Lob. (Juusuf 'Allii) 421.
Ihr könnt Allah nicht durch euren Kufr schaden, denn alles untersteht Seinem
direkten Gebot, und wenn ihr Allah ablehnt, entgeht ihr doch nicht Seiner
allumfassenden Macht. Es ist daher der Gipfel menschlicher Torheit, in seiner
begrenzten Freiheit Den zu verleugnen, unter Dessen allumfassender Macht er
lebt, von Dessen Aufmerksamkeit und Autorität er keinen Ausweg findet und
durch Dessen Hilfe und Fürsorge er überhaupt erst eine Lebensmöglichkeit hat.
(Siddiqi) Durch euren Kufr schadet ihr niemandem als euch selbst. (Mauduudi) 422. Allah weiß sehr wohl, was im Universum vor sich geht; Er ist allweise und hat Seine eigenen Pläne, wie Er mit den Gehorsamen und Ungehorsamen verfahren wird. (Siddiqi)
171. O ihr Besitzer der Schrift!423
Begeht keine Übertreibung in eurer Religion.424 Und sagt nichts über
Allah außer der Wahrheit. Wahrlich, der Massich ’Isa, der Sohn Marjams, ist ein
Gesandter425 Allahs und Sein Wort.426, Er Marjam zuteil
werden ließ. Und Er von Seinem Geist.427 Darum verinnerlicht den
Imaan an Allah und Seine Gesandten428 und sprecht nicht
Dreieinigkeit.429 Hört auf damit, das ist besser für euch. Wahrlich,
Allah ist ein Einziger Gott.430 Gepriesen sei Er -wie könnte Er
einen Sohn haben!431 Ihm gehört, was in den
Himmeln und auf Erden ist. Und Allah genügt als Sachwalter.432 423.
Mit "Schriftbesitzer" sind in diesem Falle die Christen gemeint.
(Siddiqi) 424.
Ihre Übertreibung veranlasst die Schriftbesitzer, über die gebotenen Grenzen
hinaus Aussagen von Allah zu machen, die nicht der Wahrheit entsprechen,
beispielsweise, Er habe einen Sohn oder sei Teil einer Dreiheit. (Qutb) Ebenso
wie ein törichter Diener den Fehler begehen kann, in seinem Eifer für seinen
Herrn zu weit zu gehen, so können in der Religion menschliche Übertreibungen
oder Blasphemie führen oder etwas dem Geist dieser Religion völlig Entgegengesetztes
bewirken. Die jüdischen Übertreibungen in Richtung auf Formalismus, Rassismus,
Exklusivität und die Ablehnung ’Isa as sind anderswo an vielen Stellen
angeprangert worden. Hier wird die christliche Haltung verurteilt, die 'Isa as
zur Gottgleichheit erhebt, in einigen Fällen Marjam fast abgöttisch verehrt,
Allah einen leiblichen Sohn zuschreibt, und eine Dreieinigkeitslehre entwickelt
hat, die der Vernunft völlig widerspricht und an die nach der Athanasischen
Lehre jeder glauben muss, wenn er nicht zur Hölle verdammt werden will. Wir
Muslime sollten uns davor hüten, in Exzesse zu verfallen, sei
es in der Lehre oder im Formalismus. (Juusuf ’Allii) 425.
Nach der Lehre der Apostel in Quds war ’Isa as, der Gesalbte, ein Mensch, nicht
als ein fleischgewordener Massich oder mit einem himmlischen ’Isa durch den
Heiligen Geist verbunden. ..solche Vorstellungen wurden weder von ’Isa as
selbst noch von den zwölf Aposteln vertreten. (Darjabaadi)’
Isas, Allahs Segen und Frieden auf ihm, Rang und Natur entspricht denen der übrigen Propheten und Gesandten, wie
etwa Nuuchs, Ibrahims, Muusas und Muchammeds, Allahs Segen und Frieden auf ihnen
allen, sowie anderen Angehörigen jener vorzüglichen Diener Allahs, die Er für
die Übermittlung Seiner Botschaft auserwählt hat. (Qutb) 426.
Das heißt, durch Sein Wort geboren. (Darjabaadi) Er
hat ’Isa as erschaffen durch den Befehl zum menschlichen Dasein, so wie an
anderer Stelle im Qur’an gesagt ist: "Er erschafft, was Ihm gefallt. Wenn
Er eine Sache beschließt, so spricht Er zu ihm: "Sei!", und es
ist." (Suura 3:47). Dieses schöpferische Wort gab Er Marjam ein und
schuf damit ’Isa as ohne leiblichen Vater, so wie Er Adem, Gottes Segen und
Frieden auf ihm, ohne Eltern geschaffen hat. (Qutb) Während
die Lehre der frühen Christen lediglich besagte, dass ’Isa as ohne Mitwirken
eines Vaters durch Allahs Befehl geboren sei, wurden sie später durch die
alexandrinische Philosophie so verleitet, dass sie zunächst "Kalima" كَلِمَ
("Befehl") mit "Wort Allahs" verwechselten, dieses dann mit
"Logos" übersetzten und darauf die Logoslehre aufbauten, die sie dazu
brauchte, daraus die Lehre von der Göttlichkeit ’Isas as herzuleiten. Auf diese
Weise kamen sie zu der Auffassung, Allah habe sich selbst oder Seine Attribute
in der Person ’Isa as offenbart. Vergleiche auch Johannes 1:1-14. (Mauduudi) Tabari
versteht unter "Kalima" die Ankündigung, die Allah durch den Engel an Marjam richtete,
und Allahs Frohe Botschaft an sie. (Siddiqi) 427.Allah hat bereits zuvor dem Lehm Adems as von Seinem
Geist eingehaucht, so dass er ein Mensch wurde, vergleiche Suuras 15:28-29 und
66: 12. Kein Christ würde deswegen behaupten, Adem as sei Allah oder göttlich,
so wie sie es von ’Isa as behaupten. (Qutb) Hier
wird 'Isa as als "Geist von Allah" bezeichnet, und in Suura 2:253
wird gesagt, Allah habe 'Isa as mit dem "Heiligen Geist unterstützt".
In beiden Fällen bedeutet dies, dass Allah Seinem Propheten 'Isa as einen
Heiligen Geist geschenkt hat, der mit höchsten Tugenden erfüllt und eine
Vollkommenheit an Wahrheit und Rechtschaffenheit war, ohne jeden Schatten des
Bösen. Obwohl die Christen ursprünglich die gleiche Lehre erhalten hatten,
überschritten sie auch in dieser Hinsicht das Maß und verwechselten den
"Geist von Allah" mit "Allahs Geist" und veränderten den
Sinn von "Heiliger Geist" in
"Geist Allahs selbst", der in 'Isa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, eingegangen sei. Auf diese
Weise entstand eine dritte Gottheit, der "Heilige Geist", neben
Allahs und 'Isa, Allahs Segen und Frieden auf ihm, woraus die Lehre von der Dreieinigkeit wurde, das heißt,
die Lehre der Einheit der drei Personen (Vater, Sohn und Heiliger Geist) in
einem Gott. (Mauduudi) Bezüglich
des Ausdruckes "ruchun minhu" َرُوحٌ مِّنْهُ ("Geist von Ihm") ist
anzumerken, dass ruh im Qur’an auf verschiedene Weise gebraucht wird,
beispielsweise im Sinne von "Inspiration" in Suura 2:87 und 53, aber
auch in seiner ursprünglichen Bedeutung von "Lebensatem",
"Seele" oder "Geist". So heißt es beispielsweise in Suura
32:9, wo von der ständig sich erneuernden Entwicklung des menschlichen Embryos
die Rede ist: "... und dann formt Er ihn (den Menschen) und haucht ihm von
Seinem Geist ein," das heißt, Er stattet ihn mit einer bewussten Seele
aus, die Allahs größtes Geschenk für den Menschen ist und deshalb als
"Hauch Seines Geistes" beschrieben wird. In diesem Aja, der die
rein menschliche Natur ’Isa as betont und den Irrgedanken an seine Göttlichkeit
zurückweist, unterstreicht der Qur’an, dass Isa as wie alle anderen Menschen
eine "von Ihm erschaffene Seele" war. (Asad) 428.
Das heißt: Da ’Isa lediglich ein Geist von Allah ist und nicht selbst göttlich,
darum überschreitet nicht die gebotenen Grenzen und verinnerlicht den Imaan an Allah
als den Einzigen Gott und akzeptiert alle Seine Gesandten einschließlich des Massich.
Dies ist die Lehre ’Isa as selbst und der wirkliche Sachverhalt. (Mauduudi) Dies
ist ein Aufruf zum Imaan an Allah und Seine Gesandten -unter ihnen 'Isa, Allahs
Segen und Frieden auf ihm, in
seiner Eigenschaft als Gesandter und Muchammed, Allahs Segen und Frieden, in
seiner Eigenschaft als Siegel der Propheten. (Qutb) 429.
'Isa, Allahs
Segen und Frieden, Attribute sind aufgezählt worden: 1.
dass er der Sohn einer Frau war, nämlich Marjam, und aus diesem Grunde ein
Mensch; 2.
dass er ein Gesandter war, ein Mensch mit einer Botschaft von Allah, und
deshalb der Ehre würdig; 3.
ein Marjam verliehenes Wort, denn er war durch Allahs Wort "Sei!"
geschaffen und war (vergleiche Suura 3:59); 4.
ein von Allah ausgehender Geist, aber nicht Allah: sein Leben und seine Sendung
waren eingeschränkter, als es bei anderen wichtigen Propheten der Fall war, dennoch
müssen wir ihm dieselbe Ehre erweisen wie anderen Gesandten Allahs. Die Lehren
der Trinität, Allahgleichheit und Sohnschaft werden als Blasphemie
zurückgewiesen. Allah ist über alle Bedürfnisse erhaben und braucht keinen
Sohn, der sich um Seine Angelegenheiten kümmert. Das Johannesevangelium (wer
immer es verfasst hat) hat einen großen Teil alexandrinischer und gnostischer
Mystik um die Lehre vom Wort (griechisch: Logos) herumgewebt, aber der wahre
Sachverhalt ist hier einfach erklärt. (Juusuf 'Allii) Die
Dreieinigkeitslehre ist die zentrale Lehre der christlichen Religion. Sie
besagt, Gott sei "drei wirklich verschiedene Personen -der Vater, der Sohn
und der Heilige Geist. Jede dieser Personen ist Allah und hat all Seine ewige
Vollkommenheit, und doch ist Er wirklich verschieden von jeder der anderen
Personen -diese Personen sind wesensgleich, gleich ewig und verdienen gleiches Lob
und gleiche Verehrung, welche die Kirche in dem Gebet zum Ausdruck bringt: , Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist'
". (Siddiqi) Das
Nicänische Glaubensbekenntnis bezeichnet ’Isa als "Gottes eingeborenen
Sohn, geboren vor aller Zeit: Gott von Gott, Licht von Licht; wahrer Gott vom
wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater; durch ihn
ist alles geschaffen"! (Anm. d. Übers.) Die
christliche Religion ist nicht die einzige, die eine Trinitätslehre vertritt.
Auch im Hinduismus wird Trimurti als eine göttliche Einheit aus Brahma, dem
Schöpfer, Vishnu, dem Erhalter und Shiva, dem Zerstörer verstanden. (Darjabaadi) Seit
der Einführung der Logoslehre haben die Christen immer wieder versucht, die
Lehre von der Gottheit ’Isa as mit dem von diesem selbst verkündeten
Monotheismus zu vereinbaren. Darüber hinaus sind viele verschiedene
Interpretationen dieser Lehre entstanden, die zu zahlreichen Spannungen
geführt haben. Christliche Gelehrte haben all ihre Zeit und Mühe darauf verwandt,
ein Rätsel zu lösen, das weder von Allah noch von "Isa,
Allahs Segen und Frieden, verursacht wurden
ist. Es gibt dafür offensichtlich auch keine Lösung, denn niemand kann
nachweisen, dass alle drei Personen an der Gottheit teilhaben und gleichzeitig
Allah ein einziges Wesen ist und keinen Partner hat. Dieses Rätsel ist nur
durch ihre eigene Übertreibung über die gesetzten Grenzen hinaus entstanden und
nur lösbar, wenn sie diese Grenzen nicht mehr überschreiten und den Imaan an die
Göttlichkeit des Massich und des Heiligen Geistes aufgeben und Allah als den
Einzigen anerkennen, der ihrer Anbetung würdig ist. (Mauduudi) 430.
Hiermit wird die Einheit der Gesetze der Schöpfung und ihrer Methode bezeugt:
Sei!- und es ist. Diesen Sachverhalt bezeugt die menschliche Vernunft selbst.
Sie stellt sich nicht den Schöpfer analog zu Seinem Geschöpf vor, auch nicht in
einer Einheit aus Dreien oder in der Dreifaltigkeit des Einen. (Qutb) 431.
Nach den ersten drei Büchern des Neuen Testaments hat ’Isa lediglich die
Beziehung von Mensch und Allah mit einer Beziehung zwischen Vater und Sohn
verglichen und für Allah metaphorisch das Wort Vater benutzt, so wie es bei den
Israeliten damals üblich war. Dafür gibt es im Alten Testament zahlreiche
Belege. ’Isa as nannte Allah "Vater" in dem Sinne, wie es sein Volk.
tat. Er bezeichnete Allah nicht nur als seinen Vater, sondern als den Vater
aller Menschen. Dennoch übertrieben die Christen dahingehend, dass sie ihn als
Allahs einzigen Sohn bezeichneten, aufgrund der Annahme, er sei Allahs
Manifestation, die Inkarnation Seines Wortes und Sein Heiliger Geist. Darüber
hinaus glauben sie, Allah habe Seinen einzigen Sohn in diese Welt geschickt,
damit er die Last der menschlichen Sünden auf sich nimmt und sich für die
Sünden der Menschen kreuzigen lässt. Diese Vorstellung ist offensichtlich das
Produkt ihres eigenen Wunschdenkens, denn keine Aussage ’Isa as stützt sie.
(Mauduudi) Nachkommen
sind erforderlich, damit eine Person ihren Anteil zum Fortbestand der
Menschheit leisten kann. Menschen verspüren darüber hinaus, das Bedürfnis,
Kinder zu haben, die ihnen im Alter beistehen und im Krankheitsfall helfen.
Gott ist ewig und bedürfnislos, Er braucht weder einen Sohn, um den Fortbestand
Seiner Art zu sichern, noch um Ihm im Alter oder bei Enttäuschungen beizustehen.
(Siddiqi) 432. Dies ist die wahre Beziehung zwischen allen Geschöpfen und ihrem Schöpfer. (Darjabaadi)
Abschnitt 24
172. Der Massich hält es nicht für unter seiner Würde, ein Diener
Allahs zu sein, und auch die Engel nicht, jene die Ihm am nächsten sind.433
Und wer den Dienst an Ihm für unter seiner Würde hält und hochmütig ist -Er
wird sie allesamt bei Sich versammeln.434 433.
Der Massich Isa as, der Sohn Marjams, wird sich niemals zu erhaben fühlen, ein
Diener Allahs zu sein. Denn er -Friede sei mit ihm -weiß als Allahs Prophet und
Gesandter am besten um die Wahrheit der Göttlichkeit und die der Dienerschaft.
Er weiß, dass diese zwei Dinge verschieden und nicht mit einander zu vereinen
sind. Und er weiß am besten, dass er ein Geschöpf Allahs ist, und Allahs
Geschöpfe können niemals wie Allah oder ein Teil von Ihm sein. Der Rang eines
Dieners Allahs könnte niemals ihre Würde als Mensch schmälern, und wer dies
tut, leugnet die Schöpfung und die Entstehung. Allah zeichnet die Gesandten und
mit ihnen die nahegestellten Engel, die von Ihm auf das höchste geehrt und
gewürdigt werden, mit dieser Rangstufe. (Qutb) Isa
as wachte und betete oft als demütiger Diener Allahs, und nach biblischem
Bericht war sein Ringen im Garten Gethsemane voller menschlicher Würde, Leiden
und Demut (vergleiche Matthäus 26:36-46).(Juusuf
'Allii) Siehe
auch weitere Aussagen Isa as, wie sie in der Bibel überliefert sind:
"Meine Speise ist die, dass ich tue den Willen des, der mich gesandt hat,
und vollende Sein Werk" (Johannes 4:34); "Wenn ihr meine Gebote
haltet, so bleibet ihr in meiner Liebe, gleichwie ich meines Vaters Gebote
halte und bleibe in Seiner Liebe" (Johannes 14: 10); und zahlreiche
andere. (Mauduudi) 434. Die Hochmütigen und Arroganten sind Scheytans Heer, das von dem allerhöchsten Thron zur Strafe versammelt wird. (Juusuf 'Allii)
173. Doch was jene angeht, die den Imaan verinnerlichen und gute
Werke tun,435 denen wird Er ihren vollen
Lohn geben,436 und mehren aus seiner Huld. Und was jene angeht,
die (dies) für unter ihrer Würde halten und hochmütig sind, die wird Er mit
einer schmerzlichen Strafe belegen. Und sie werden außer Allah weder einen
Beschützer noch einen Helfer finden. 435.
Die Grundlage der ganzen Botschaft und der Aufforderung aller Gesandten war den
Imaan an Allah, wie der Islam ihn verkündete und dies lange Zeit schon, bevor
die Anhänger der verschiedenen Religionen sie verfälschten. Wir sollen sie als
eine neue Geburt des Menschen ansehen, die ihm Würde und Freiheit,
Gerechtigkeit und Wohlergehen garantiert, und ihn aus der Knechtschaft
gegenüber Knechten zu der ausschließlichen, demütigen Verehrung Allahs
hinführen. Dies soll sich nicht nur in religiösen Zeremonien, sondern auch in
der Lebensführung äußern. (Qutb) 436. Einen Lohn, der weit das übertrifft, was ihnen zusteht. (Darjabaadi)
174. O ihr Menschen! Es ist bereits ein
Beweis437 von eurem Herrn zu euch gekommen und Wir haben euch ein,
klares Licht438 herabgesandt. 437.
In der Person des Propheten -Friede sei mit ihm. "Burhan" bedeutet
der schönste, stärkste und gültigste Beweis, der notwendigerweise die Wahrheit
aufzeigt. (Siddiqi) 438.
Ein Licht, in dessen enthüllenden Strahlen die Wahrheit aller Dinge klar
erscheint, und das die Abgrenzung zwischen Gut und Böse offenbart. (Qutb) Der Beweis und das Licht sind der Qur’an sowie Persönlichkeit, Leben und Lehre des Propheten Muchammed, Allahs Segen und Frieden auf ihm. (Juusuf' Allii)
175. Was nun jene angeht, die an Allah den Imaan verinnerlichen und
an Ihm festhalten,439 die wird Er eingehen lassen in Seine
Barmherzigkeit und Huld440 und auf dem geraden Weg zu Sich führen.441 439.
Die an Allah in Seiner Einheit unbedingt und unverfälscht den Imaan
verinnerlichen und an Seinen Geboten und Seinem Gesetz festhalten. (Darjabaadi) 440.
Von Ihm selbst: aus Seiner Gegenwart. Vergleiche Suura 3:195 und Fußnote.
Gnade und Barmherzigkeit werden hier geschildert als ständig von Ihm
herfließend. (Juusuf 'Allii) Wörtlich:
"Er lässt sie eingehen in Seine Gnade und Bannherzigkeit. (Asad) 441.
Mit dem Wort: "zu Ihm" oder "zu sich" entsteht ein bewegtes
Bild davon, wie Allahs Führung die Mu’mins geradewegs auf dem Weg zu Allah
voranschreiten lässt, so dass sie Ihm Schritt für Schritt näher kommen. Dies
kann man nur in der eigenen Erfahrung spüren. (Qutb) Allah selbst führt die Menschen in Seine Gegenwart auf dem geraden Weg, der auf kürzeste Weise zum Ziel führt. (Siddiqi)
176. Sie bitten dich um eine Anweisung.442 Sprich:
"Allah gibt euch Anweisung hinsichtlich Verwandter ohne erbberechtigte Eltern
und Kinder.443 Wenn ein Mann stirbt, ohne ein Kind zu hinterlassen,444
aber eine Schwester, so soll sie die Hälfte dessen erhalten, was er hinterlässt
und er beerbt sie, wenn sie kein Kind hat.445 Und wenn es sich um
zwei Schwestern handelt, dann sollen sie zwei Drittel dessen erhalten, was
hinterlassen wird. Und wenn es sich um Brüder und Schwestern handelt,446 dann erhalten die männlichen (Erben) doppelt
so viel wie die weiblichen. Und Allah macht euch die Zeichen klar, damit ihr
nicht irregeht. Und Allah weiß um alle Dinge.447 442.
"Istifta" bedeutet Bitte um Aufklärung über ein spezielles Gesetz, vergleiche
Suura 4:127 und Fußnote. Der anscheinend abrupte Übergang von den
vorhergehenden Abschnitten, die sich mit theologischen Fragen befassen, zu
diesem stimmt mit dem Prinzip des Qur’ans überein, absichtlich ethische
Ermahnung mit praktischer Gesetzgebung zu verschachteln zur Betonung der
Lehre, dass menschliches Leben, physisches wie geistiges, ein integriertes
Ganzes ist und deshalb Berücksichtigung aller seiner Aspekte verlangt, wenn
die Vorstellung eines, "guten Lebens" verwirklicht werden soll. Der obige
Aja vervollständigt die Serie von Erbgesetzen, die zuvor in dieser Suura
behandelt wurden. (Asad) Keine
Gesetzgebung ist effektiv, solange sie nicht von Überzeugung gestützt ist und
seitens des Menschen eifrige Bereitschaft besteht, sie zu akzeptieren. Der Arm
des Gesetzes, so lang und stark er auch sein mag, ist
nicht in der Lage, sämtliche Winkel des menschlichen Daseins zu erreichen. Sehr
große Teile unseres Lebens liegen außerhalb der Reichweite des Gesetzes, und
solange der Mensch nicht versucht, durch das Bewusstsein der Anwesenheit Allahs
und durch Verantwortungsbewusstsein Selbstdisziplin zu üben, kann das Gesetz
sein Ziel nicht erreichen. (Siddiqi) Dieser
Aja wurde lange nach der Offenbarung dieser Suura herabgesandt, so dass
einige Kommentatoren ihn für den chronologisch letzten Aja des Qur’an halten.
Nach authentischer Überlieferung wurde er jedenfalls im Jahre 9 der Hidschra
offenbart, als diese Suura bereits als ganze rezitiert wurde. Aus diesem Grund
wurde der Aja nicht zu den übrigen Ajas über Erbschaft hinzugefügt, sondern
als Nachtrag am Ende angehängt. (Mauduudi) 443.
"Kalala": in Aja 13 dieser Suura wurde dieser Begriff in dem Sinne gebraucht,
dass er eine Person bezeichnet, die weder Eltern noch Kinder als Erben
hinterlässt, aber Brüder und Schwestern mütterlicherseits. Dieser Aja bezieht
sich auf die Kalalat, die Geschwister von beiden Eltern oder nur väterlicherseits
hinterlässt. (Siddiqi) Das
arabische Wort "Kalala" kommt von "iklil" -eine Girlande, die
seitlich den Kopf umgibt. Damit ist derjenige gemeint, der von Verwandten der
Seitenlinie (also 2. Grades) und nicht von direkten Vorfahren (Eltern,
Großeltern) oder Nachkommen (Kinder, Enkelkinder) beerbt wird. Als Abu Bakr
nach der "Kalala" gefragt wurde, antwortete er: "Ich sage meine
Meinung. Wenn sie richtig ist, dann ist dies von Allahs Gnade. Und wenn sie
falsch ist, dann ist das mein Fehler und vom Scheytaan inspiriert, und Allah und
seinen Gesandten trifft keine Schuld: Es ist jemand der weder Eltern noch
Kinder hat." (Al-Manar) 444.
"...ohne ein Kind zu hinterlassen" -an dieser Aussage halten
diejenigen fest, die unabhängig vom Vorhandensein der erbberechtigten Eltern
oder Großeltern nur das Fehlen erbberechtigter Kinder für die Bedingung der
Kalala halten. Maßgebliche Instanz ist aber die allgemeine Lehrmeinung, die der
Auslegung Abuu Bakrs folgt und die Ansicht vertritt, Kalala bedeute "wer
keine Kinder und keine Eltern hat. Diese ist auch ersichtlich aus den Worten
" ...und er hat eine Schwester, so soll sie die Hälfte seiner
Hinterlassenschaft erhalten". Denn wenn der Erblasser einen Vater hätte,
würde die Schwester überhaupt nichts erben, weil nach einmütiger Meinung der
Vater die Schwester ganz von der Erbschaft ausschließt. (Al-Manar) 445.
Allah, der Erhabene hat zwei Ajas bezüglich der "Kalala"
herabgesandt. Der erste am Anfang der Suura erklärte, als dies erforderlich
wurde, nur was die Geschwister mütterlicherseits erben -nachdem zuvor die Rede
vor den Anteilen der Eltern war -weil Kinder an die Stelle der Mutter treten,
nachdem diese gestorben ist. Bei der Erkrankung Dschabir ibn ’Abdullahs, der
weder Eltern noch Kinder aber Geschwister väterlicherseits hatte, wurde eine
Erklärung bezüglich der Geschwister väterlicherseits und der Vollgeschwister
nötig. Als Dschabir den Propheten danach fragte, kam der zweite Aja am Ende
der Suura als Vervollständigung des Farni1ienrechts. Dass im zweiten Aja nur
das Nicht-Vorhandensein der Kinder, aber nicht das der Eltern erwähnt wird,
kann verschiedene Gründe haben: 1.
der Ausdruck "KaIala" beinhaltet in sich schon das
Nicht-Vorhandensein der Eltern. 2.
In der Mehrzahl der Fälle stirbt ein Mensch, der ein Erbe hinter1ä8t, nach
seinen Eltern, denn entweder stammt sein Vermögen aus der Hinterlassenschaft
der Eltern, oder er hat es in einem langen Leben selbst erworben. Und im
letzteren Fall geschieht es selten, dass die Eltern den Erblasser überleben, so
dass sie hier der Kürze halber nicht erwähnt werden. 3.
Der Hauptgrund aber ist, dass, wie in den Anfangs Ajas der Suura dargelegt,
die Geschwister nicht gleichzeitig mit dem leiblichen Vater erben können.
(Al-Manar) Um
dies näher zu erläutern, bezeichnen wir hier einmal die verstorbene Person als
A, und es kann sich um einen Mann oder eine Frau handeln. In Suura 4:12 wurde
der Fall von A behandelt, der Geschwister mütterlicherseits hinterließ. Hier
ist die Rede davon, dass er Geschwister väterlicherseits hinterlässt, ob sie
dieselbe Mutter haben oder nicht. Wenn Bruder und Schwester wie oben definiert
sind, wollen wir nun betrachten, wie das Erbe verteilt wird. Wenn A einen
Witwer oder eine Witwe hinterlässt, wird entsprechend Suura 4:12 dessen Anteil
zuerst berechnet; wenn kein Ehepartner da ist, erübrigt sich diese Berechnung.
Wenn dann A eine einzige Schwester hinterlässt, dann erhält sie die Hälfte, und
die andere Hälfte geht an entfernter Erben. Ein
einzelner Bruder würde das ganze erhalten; bei mehr als zwei Brüdern wird das
ganze unter ihnen aufgeteilt. Hinterlässt A mehrere Schwestern, so verteilen
sie unter sich zwei Drittel. Sind Geschwister beiderlei Geschlechts vorhanden,
so teilen sie die Erbschaft auf der Grundlage, dass ein Bruder den doppelten
Anteil einer Schwester bekommt. Alles vorausgesetzt, dass die Rechte eines
eventuell noch lebenden Ehepartners berücksichtigt und Schulden,
Beerdigungskosten und Legate (im erlaubten Rahmen) bezahlt worden sind. (Juusuf
'Allii) 446.
Wörtlich:" Geschwister, Männer und Frauen". Es ist zu beachten, dass der Begriff
"ichwah" إِخْوَ sowohl Brüder als auch Schwestern allein oder Geschwister
beiderlei Geschlechts umfasst. (Asad) "Und
wenn es sich um mehrere Brüder und Schwestern handelt..." bedeutet, dass
wenn mehrere Geschwister ihren elternlos verstorbenen Bruder beerben, das Erbe
nach dem Grundsatz aufgeteilt wird, dass der männliche Erbe doppelt so viel
erbt wie der weibliche gleichen Verwandtschaftsgrades. Die Geschwister
mütterlicherseits teilen nur das Sechstel, das der Mutter zugestanden hätte,
unter sich auf, da sie nicht vom gleichen Vater abstammen. (Al-Manar) Nun
wird die Erbschaftsregelung im Falle der "Kalala" vervollständigt.
Wenn der Verstorbene weder Eltern noch Kinder, aber eine Schwester oder eine
Stiefschwester väterlicherseits hat, so erbt sie die Hälfte seiner
Hinterlassenschaft. Er seinerseits beerbt sie ganz, wenn auch sie keine Eltern
oder Kinder hat. Handelt es sich um zwei Schwestern der gleichen Kategorie,
dann bekommen sie zwei Drittel der Erbschaft. Sind es mehr als zwei
Geschwister, so verfahrt man nach dem Grundsatz, dass
ein männlicher Erbe doppelt so viel erhält wie der weibliche. (Qutb) Der
Bruder erbt alles, wenn keine anderen Erben da sind. Wenn beispielsweise der
Ehemann einer kinderlos verstorbenen Frau noch lebt, steht dem Bruder alles zu,
was nach Abzug des Anteils für den Ehemann übrig bleibt. 447. Allah kennt die Folgen und Erfordernisse aller Dinge. Er weiß um das Wohl seiner Diener und weiß, was jedem der Verwandten je nach seinem Verwandtschaftsgrad zum Verstorbenen an Erbteil zusteht. Ibn Dschabir berichtet, dass ’Umar ibn Al-Hattab bezüglich des Großvaters und der Kalala eine Schrift verfasst hat.. Immer wieder bat ’Umar Allah um Eingebung und sagte: ,,O Allah, wenn Du weißt, dass etwas Gutes daran ist, dann lass es sie so durchführen." Als er aber einem Mordanschlag zum Opfer fiel, bat er, in den letzten Zügen, um diese Schrift und ve |